Ein Berg von Problemen

von Redaktion

Die ARD zeigt Isabel Kleefelds Tragikomödie „Eine harte Tour“ um Ehepaare in der Krise

VON ULRIKE CORDES

Clemens hat eine Neue – Alexa. Der erfolgreiche Architekt hat seine langjährige Ehefrau verlassen, um mit einer viel Jüngeren den zweiten Frühling zu erleben. So ist es für Clemens (Benjamin Sadler) auch selbstverständlich, dass er mit seiner Alexa (Anna Unterberger) auf eine von ihm geplante Bergtour in Südtirol geht, die er mit drei ehemaligen WG-Mitbewohnern aus Studienzeiten und deren Partnern unternehmen will. Die Freunde wirken von der Idee weniger begeistert. Denn sie verstehen sich auch gut mit Clemens’ Ex Corinna (Juliane Köhler).

Doch dann kommt sowieso alles ganz anders. Denn urplötzlich stirbt der Mittvierziger an einem Herzinfarkt. Und es folgt „Eine harte Tour“, so der Titel dieses Fernsehfilms, den das Erste heute um 20.15 Uhr zeigt. Das Dilemma, welche der beiden Frauen die Sechs mitnehmen sollen, lösen die beiden Frauen. Alexa kommt mit – und später stößt auch Corinna zur Gruppe. Konflikte sind programmiert.

Mit einem hochkarätigen Darstellerteam, zu dem noch Anna Schudt (Dortmunder „Tatort“), ihr Ehemann im wahren Leben Moritz Führmann („Harter Brocken“), Elena Uhlig („Die Ketzerbraut“), Victoria Mayer („Play“), Roland Wiesnekker („Kotzbrocken“) und Thomas Loibl („Bier Royal“) gehören, hat Isabel Kleefeld das Drehbuch von Dominique Lorenz lebenserfahren in Szene gesetzt. In „Eine harte Tour“ nimmt sie sich Befindlichkeiten und Lebenslügen vielleicht typischer Vertreter des deutschen akademischen Mittelstands von heute in ihrer Lebensmitte vor.

Die bereden beim Wandern ihre bisher gut versteckten Sorgen und Sünden – von sexuellen Problemen und Ehebruch bis zur Angst vor dem finanziellen Ruin. Dabei machen genaue Typenzeichnungen den unterhaltsamen, mit sanfter Popmusik unterlegten Film aus. Der Sender präsentiert ihn als „Komödie“. Doch das Geschehen mit offenem Ende erlaubt wohl auch, ihn eher als Drama zu betrachten.

„Ich habe das Drehbuch gelesen und mich wie verrückt amüsiert – das war wie von der Komödienautorin Yasmina Reza in Potenz“, erzählt etwa Moritz Führmann, der den sanften Idealisten Dominik verkörpert: „Doch dann haben wir es gespielt – und man merkte, wie viele Schichten darunter liegen. Die Leichtigkeit blieb an vielen Stellen, aber am Ende ist beides darin. Man könnte also Tragikomödie sagen“, meint der Schauspieler.

Für Schudt, die Darstellerin der in ihrer öden Partnerschaft gefangenen Ulrike, kreist die Geschichte vor allem „um die Frage, wer bleibt, wenn man über den Gipfel geht und in die zweite Lebenshälfte hineinrutscht. Und was passiert, wenn einer plötzlich nicht mehr da ist – was der Verlust mit einem macht“. Daher sehe sie den Film auch nicht als Komödie, allerdings: „Ich empfinde das Ende als extrem positiv. Der Rucksack wird nicht leichter, aber zusammen kann man ihn besser tragen.“

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