„Thommy, lass gut sein“

von Redaktion

INTERVIEW Ulli Wenger hat ein Buch über Gottschalk geschrieben und gibt ihm einen guten Rat

Er war von 1992 bis 2015 Chef vom Dienst bei Bayern 3, doch bekannt geworden ist Ulrich „Ulli“ Wenger als „Herr der Eintagsfliegen“. Seine Radioserie über Pop- und Rockmusiker, die in ihrer Karriere nur einen einzigen Hit landen konnten, umfasste am Ende 700 Folgen. Nun hat der 61-Jährige, der inzwischen Koordinator des Publikumsdialogs beim BR ist, über seinen Kollegen Thomas Gottschalk, dem (Ex-)Radioplauderer par excellence, ein Buch geschrieben. „Thomas Gottschalk – Kleine Anekdoten aus dem Leben eines großen Entertainers“ heißt der Band, der heute erscheint (Riva Verlag, 120 Seiten, 7,99 Euro). Wir trafen Wenger zum Interview.

Wo und wie haben Sie Thomas Gottschalk persönlich kennengelernt?

Das war 2002, anlässlich seines Comebacks bei Bayern 3. Damals kam „Wetten, dass..?“ zum ersten Mal aus München, und um die Sendung zu bewerben, hat er zusammen mit Katja Wunderlich die „Morningshow“ präsentiert. Wir haben für ihn extra einen Überraschungsanruf von Lionel Richie organisiert und einen von Rick Parfitt von Status Quo – und ganz zum Schluss kam auch noch Alfons Schuhbeck ins Studio. Weil der ja immer zu spät kommt, hat Thomas die Sendung in bester Wetten, dass..? -Tradition sogar überzogen.

Haben Sie beim Schreiben etwas Neues über ihn erfahren?

Ja, das war die Geschichte, wie ihn ein Sensationsmagazin eines Privatsenders mit einem Namensvetter in der Schweiz verwechselt und behauptet hat, Gottschalk gehöre zum Führungskader von Scientology.

Er hat das Radio revolutioniert – wie hat er das geschafft?

Durch seine – im besten Sinne des Wortes – Respektlosigkeit, seine Schlagfertigkeit und seine Nähe zum Publikum. Thomas hat immer gesagt: „Ich mache Sendungen für die Leute und nicht für die Aufsichtsgremien.“ Radio war für ihn das perfekte Medium in einer Zeit, als es da noch nicht üblich war, so zu reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Da gab es noch Manuskripte, die von ausgebildeten Sprechern abgelesen wurden. Hinzu kam, dass er in „Pop nach acht“ englischsprachige Musik gespielt hat, die sonst bei Bayern 3 nicht lief.

Sondern?

Schlager, Chansons und Instrumentalmusik. Man war davon überzeugt, nichts anderes spielen zu dürfen, um die Autofahrer nicht aufzuregen.

Sein Abschied vom BR im vergangenen Herbst kam sehr plötzlich – hat man sich da beim Sender nicht brüskiert gefühlt?

Ich sag’ mal so: Reisende soll man nicht aufhalten. Wir sind stolz darauf, dass wir ihn immerhin drei Jahre hatten.

Was wünschen Sie Thomas Gottschalk zum 70.?

Ich wünsche ihm, dass er mit seiner Partnerin Karina Mroß, die ich übrigens schon länger kenne als er, glücklich wird.

Und beruflich?

Dass er das „Wetten, dass..?“-Revival im November im ZDF zum Anlass nimmt, es danach gut sein zu lassen. Ich prophezeie dieser Sendung eine gigantische Quote. Das wäre doch ein schöner Moment zu beschließen: Jetzt genieße ich mein Leben!

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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