„Es war Anarchie“

von Redaktion

INTERVIEW Hugo Egon Balder, der am Sonntag 70 wird, über die Anfänge seiner Karriere

Er hat das Privatfernsehen geprägt wie kaum ein Zweiter: Hugo Egon Balder. Der Mann, der mit „Tutti Frutti“ für Schlagzeilen sorgte und heute immer noch mit Shows wie „Genial daneben“ erfolgreich ist, wird an diesem Sonntag 70 Jahre alt.

Wie feiern Sie Ihren Geburtstag?

Es ist mir egal. Ich würde da nicht so ein Bohei drum machen, wenn es andere nicht machen würden. Es wird auch keine große Feier geben.

Bekannt wurden Sie als Moderator von „Alles Nichts Oder?!“. Das war eine ziemlich verrückte Show.

Es war Anarchie. Wir konnten machen, was wir wollten, und zum Schluss flogen die Torten. Das gibt es heute nicht mehr. Vermutlich wäre es auch gar nicht mehr interessant. Heute wird es erst interessant, wenn irgendwelche Leute nackt auf einer Insel heiraten oder Kakerlaken essen.

Stichwort Anarchie. Nach „Alles Nichts Oder?!“ kam die Erotik-Spielshow „Tutti Frutti“. Die Regeln hat damals niemand verstanden.

Das war aber positiv für die Sendung, weil es Gesprächsstoff war. Eigentlich war es auch ganz einfach. Die Originalsendung lief damals täglich in Italien. Helmut Thoma (einst RTL-Chef, Anm.) entschied, dass es Unsinn wäre, alles in Deutschland nachzubauen. Wir übernahmen also alles von den Italienern: Kulisse, Ballett, Regisseure. Nur die Kandidaten und ich flogen nach Mailand, um die Show aufzuzeichnen. Das Problem war nur: Die Italiener spielten um Geld. Und wir hatten ja alles übernommen, also auch den Computer. Das führte dazu, dass ich für eine Jacke nicht einen Punkt, sondern 100 000 Punkte verteilte – es waren ja Lire. Das hat kein Mensch verstanden, aber mir war das egal. Und Thoma fand es lustig. Wenn Briefe geschrieben wurden mit der Bitte, die Regeln zu erklären, haben wir das einfach nicht gemacht.

Wenn man einen roten Faden in Ihrer Karriere sucht, ist das der Humor. Woher haben Sie ihn?

Wenn, dann habe ich ihn von meinem Vater. Ich dachte sehr lange, dass er Textilhändler war, weil er ein Textilgeschäft hatte. Dann habe ich aber eine Sendung gemacht, bei der sich jemand professionell mit meinen Vorfahren beschäftigt hat. Und bei der Gelegenheit habe ich dann erfahren, dass mein Vater einen Verlag hatte, Theaterkritiker war, Filmkritiker war. Davon wusste ich nichts, weil er es mir nie erzählt hat. Er hatte 1000 Ideen und hat mich früh ans Kabarett herangeführt. Und er war auch selbst sehr lustig.

Das Gespräch führte Jonas-Erik Schmidt.

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