Superstar Silbereisen?

von Redaktion

Moderator sitzt ab jetzt in der „DSDS“-Jury von RTL – Die ARD ist darüber nicht amüsiert

VON STEFANIE THYSSEN

Einen Seitenhieb konnte sich der Chef schon Ende des vergangenen Jahres nicht verkneifen. Als ARD-Programmdirektor Volker Herres beim Adventsessen seinen Stars für die geleistete Arbeit dankte, meinte er in Richtung Florian Silbereisen: Er, also Silbereisen, spiele weiterhin in der besten Liga des Ersten – selbst, wenn er „seine Liebe zu Kreuzfahrten“ entdeckt habe. Eine Anspielung auf das ZDF-„Traumschiff“, auf dem der 38-jährige Moderator als Kapitän angeheuert hatte. Wohl aus der Sorge heraus, den Star zu verlieren, gewährte ihm die ARD den Flirt mit dem ZDF. Zumal es sich beim „Traumschiff“ um fiktionale Unterhaltung handelt und nicht um eine Show.

Als am Freitag bekannt wurde, dass Silbereisen jetzt auch noch bei RTL andockt und nach dem Rausschmiss von Xavier Naidoo ab diesem Samstag Juror in der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ wird, ist den ARD-Verantwortlichen um Unterhaltungschef Thomas Schreiber allerdings der Kragen geplatzt – auch, weil das Erste zunächst nichts von dem Deal gewusst hat! Silbereisen meint dazu auf Nachfrage, dass er seine Mitwirkung bei „DSDS“ mit seinem „ARD-Vertragspartner, dem MDR“, abgesprochen habe.

Unterhaltungschef Schreiber erklärt, dass vertraglich eine solche Tätigkeit „für Herrn Silbereisen“ im Rahmen des Möglichen sei. Allerdings empört ihn die Art und Weise der Bekanntmachung: „Dass eine weder mit RTL noch mit uns abgestimmte Kommunikation über eine Boulevardzeitung gewählt wurde, ist nicht professionell“, so Schreiber.

In der Tat hatte die „Bild“-Zeitung zuerst über Silbereisens neuen Job berichtet, parallel dazu zeigte sich „DSDS“-Oberjuror Dieter Bohlen, der alles eingefädelt hat, in einem Instagram-Video und brüstete sich mit seiner neuen Eroberung: „Ich freue mich wahnsinnig, dass der Florian dabei ist“, so der 66-Jährige. Sein junger Kollege sei seine absolute Wunschbesetzung. „Wir mögen uns, wir schätzen uns, wir sind beide Super-Profis, das kann nur super geil werden!“

Super geil findet die ARD diese Zusammenarbeit nun ganz und gar nicht – zumal der öffentlich-rechtliche Verbund seinem Superstar Silbereisen erst im November einen mehr als lukrativen Vertrag hingelegt hat: Für vier weitere Jahre wurde die Moderation der quotenstarken „Feste“-Reihe im Ersten festgelegt. Darüber hinaus wurden neue Formate in Aussicht gestellt. Programmdirektor Herres kriegte sich in der Pressemitteilung damals kaum ein vor Begeisterung: „Die mitreißenden, aufwendig und liebevoll gestalteten Schlager-,Feste‘ verzaubern regelmäßig ein Millionenpublikum live im Ersten – und zwar quer durch alle Alters- und Bevölkerungsgruppen!“, hieß es. „Das ist natürlich in erster Linie das Verdienst des mitreißenden Showmasters und Entertainers Florian Silbereisen.“

Tja, und nun sitzt dieser tatsächlich sehr erfolgreiche Publikumsliebling der ARD in einer großen RTL-Samstagabendshow. Was treibt ihn an? „Dieter hat angefragt, ob ich kurzfristig einspringen würde und ich habe selbstverständlich sofort zugesagt“, erklärt Florian Silbereisen. Bohlen habe mit Modern Talking schon Hits gefeiert, „als ich noch ein ganz kleiner Junge war“. Dass er jetzt mal mit ihm zusammenarbeiten dürfe, sei für ihn etwas ganz Besonderes. „Ich freue mich auf meine neuen Jury-Kollegen und auf ganz viele tolle Kandidaten“, so Silbereisen. Auf das nächste Zusammentreffen mit seinen ARD-Chefs dürfte sich der Niederbayer nicht mehr im selben Maße freuen können. Da wird es vermutlich ordentlich krachen.

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