Umstrittene Satiren („Umweltsau“), die Diskussion um den Rundfunkbeitrag ab 2021 – die Öffentlich-Rechtlichen standen in den vergangenen Wochen immer wieder in der Kritik. Seit dem Beginn der Corona-Krise ist das anders, da verzeichnen vor allem die Informationsformate im Ersten und im ZDF Rekordquoten. Auch beim Bayerischen Rundfunk (BR) gehen die Zahlen nach oben, das BR Fernsehen registriert eine halbe Million Zuschauer mehr in Bayern und sogar eine Million mehr bundesweit, die Livestreams der Radiowellen legten um durchschnittlich ein Viertel zu. „Unsere Zahlen zeigen, dass die Mediennutzung sprunghaft gestiegen ist, in Bayern hat die Fernsehnutzung sogar noch stärker zugenommen als im deutschen Durchschnitt“, berichtet BR-Intendant Ulrich Wilhelm. Auch bei Hörfunknutzung und digitalen Angeboten verzeichne man einen großen Zuwachs. „Das zeigt, dass – in einer Situation, in der gerade Qualitätsmedien mehr und mehr die verlässliche Verbindung zur Welt sind – die Verantwortung, die uns hier zukommt, von einer großen Mehrheit anerkannt wird.“
Eine Trendwende also? Führt die Corona-Krise gar zu einer Renaissance der Qualitätsmedien? „Vorhersagen sind schwierig. Wie verändert sich unsere Gesellschaft nach Corona? Werden sich die Menschen anders verhalten? Beides ist möglich: Dass es eine Zäsur gibt aber auch, dass man schnell wieder zu den Gewohnheiten zurückkehrt“, sagt der 59-Jährige.
Wie auch immer es weitergehe, entscheidend für den BR sei langfristig, im Digitalen noch flexibler zu werden und auf den unterschiedlichen Ausspielwegen im Alltag der Menschen präsent und relevant zu bleiben. „Dann werden sie unsere Angebote auch dauerhaft nutzen.“ Das sei wichtig, um auch in Zukunft eine starke Alternative zu den sozialen Netzwerken zu bieten. „Gerade in diesen Tagen stellen wir fest, dass über Facebook und Youtube neben bestätigten Informationen viele Gerüchte, Fake News oder hasserfüllte Posts unterwegs sind. Wenn die Gesellschaft nur auf diese Inhalte zurückgreifen könnte, gäbe es ein massives Defizit an verlässlichen Fakten und womöglich eine gewaltige Unruhe. In Krisenzeiten wie diesen zeigt sich besonders, wie wichtig fundierter, einordnender Journalismus ist.“ Der Bayerische Rundfunk wolle auch weiterhin Inhalte von Wert erstellen, betont der Chef. „Fakten sind wichtig wie nie.“