Er regelt das

von Redaktion

Stephan Zinner ist der „Haustechniker“ im BR-Kabarettformat „Trost, Kraft und Kolleg*innen“

VON RUDOLF OGIERMANN

Löcher bohren könne er, sagt Schauspieler und Kabarettist Stephan Zinner am Telefon im Gespräch mit unserer Zeitung, aber der geborene Heim- und Handwerker sei er nicht: „Das ist auch gar nicht nötig, meine Frau ist aus Ostdeutschland, die kann sogar schweißen. Ich bin da eher der Hiwi!“ Deswegen habe er sich doppelt gefreut, als ihm die Macher dieser neuen Sendung den Job des Haustechnikers angeboten haben. (Stephan) Kraft heißt der Mann in der Produktion aus dem Münchner Lustspielhaus, mit der das BR Fernsehen im Verein mit bekannten Kabarettisten immer dienstags um 20.15 Uhr die Zuschauer in Zeiten von Corona unterhalten will.

Der Name ist Programm, denn die Zweite im Bunde, gespielt von Schauspielerin Johanna Bittenbinder („Sau Nummer vier“), heißt (Johanna) Trost und hat hier den Job der Paketzustellerin. „Trost, Kraft und Kolleg*innen“ also lautet der Titel des Formats und die Devise „Durchhalten mit Humor“. Lustspielhaus-Chef Till Hofmann, Kabarettist und Autor Alexander Liegl, Regisseurin Gabi Rothmüller und die BR-Kabarettredaktion stecken hinter der Idee dieses schrägen Potpourris, die permanent gemeinsam weiterentwickelt wird. Zinner und Bittenbinder halten die Stellung im verwaisten Kleinkunsttheater in München-Schwabing. Mit allerlei mehr oder weniger authentisch wirkendem Equipment startet Zinner die Einspieler. Wolfgang Krebs, Herbert und Schnipsi, Erwin Pelzig alias Frank-Markus Barwasser, Josef Hader, Willy Astor und Hannes Ringlstetter sind diesmal unter anderen dabei.

Im leeren Lustspielhaus zu sitzen sei „spooky“, sagt Zinner, der hier vor wenigen Monaten noch vor vollem Haus den Bayerischen Kabarettpreis in der Sparte Musikkabarett überreicht bekam. „Es ist hier ja nicht so leer, weil sich keiner für uns interessiert, sondern weil keine Veranstaltungen stattfinden dürfen“, sagt der Wahl-Münchner, der wie alle Kolleginnen und Kollegen seine Tour (aktuelles Programm: „Raritäten“) unterbrechen musste: „Das vermisst man schon, nicht nur den Applaus, sondern einfach auf der Bühne zu stehen, die ja doch ein magischer Ort ist.“

Umso dankbarer seien alle Beteiligten dem BR, der dieses improvisierte Format möglich gemacht habe. Das Signal ans Publikum und an die eigene Zunft, dass es irgendwie weitergeht, sei jetzt wichtig. Nicht zuletzt gelte das für Kulturveranstalter wie Till Hofmann, „der ja keiner ist, der gerne zuhause sitzt und die acht Bücher liest, die er schon immer lesen wollte“.

A propos zuhause – natürlich fehlten ihm die Abende, an denen er unterwegs ist, das Ritual der Anreise, der Vorbereitung, des Auftritts selbst, „aber mein Tag ist auch so voll, mein Frau ist Ärztin und jeden Tag im Kampfgebiet Krankenhaus – ich hab’ die Kids und bin der Hauslehrer, ein mieser solcher“. Sagt er und lacht. Drei Kinder haben die Zinners, „und natürlich ist so eine Mietwohnung klein mit fünf Leuten, aber die Truppe hält sich ganz gut“.

Zur Frage, ob die harten Ausgangsbeschränkungen angemessen seien, hat der 45-Jährige, der auf dem Nockherberg seit Jahren den Markus Söder gibt, eine dezidierte Meinung: „Natürlich müssen wir irgendwann wieder raus, aber bei der Entscheidung darüber, wann das möglich ist, sollte man doch auf die Experten hören.“

Einstweilen lautet auch bei Zinners privat das Motto: „Durchhalten mit Humor“. Damit das gelingt, sollte man „Sport machen, gut essen, aber dabei nicht zunehmen und nicht zu viel trinken“.

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