Man kann es nur vermuten, und vielleicht ist es verwegen. Aber: Hannelore Elsner wäre mit diesem Film, mit ihrem letzten Werk fürs Fernsehen, sehr zufrieden gewesen. Und das zu Recht! „Lang lebe die Königin“ ist ein ganz wunderbarer, tief berührender, besonderer Film geworden. Einer, der sich nicht um Konventionen schert, der böse, messerscharfe Dialoge enthält und gleichzeitig mit Leichtigkeit und Komik von Tragik und Traurigkeit erzählt. Und Hannelore Elsner? Steht als Rose, so ihr Rollenname, im Mittelpunkt dieses Film-Festes (was ihr auch im Leben gut gefallen hat) und spielt buchstäblich um ihr Leben.
„Lang lebe die Königin“ erzählt die Geschichte eines schwierigen Mutter-Tochter-Verhältnisses (Elsners Filmtochter spielt Marlene Morreis), das noch einmal und in ganz besonderer Weise auf die Probe gestellt wird, als die Mutter verkündet: Sie hat Krebs. Und: Um zu überleben, ist sie auf eine Spenderniere angewiesen…
Heute vor einem Jahr erlag Hannelore Elsner im Alter von 76 Jahren ihrem Krebsleiden. Die Dreharbeiten zu „Lang lebe die Königin“ konnte sie nicht zu Ende bringen. Fünf Szenen blieben „ungespielt“ – und wurden schließlich von fünf Kolleginnen übernommen (siehe Text unten). Produziert hat den Film Boris Schönfelder. Im Gespräch mit unserer Zeitung erinnert sich der 53-Jährige an die Dreharbeiten mit der „Wahnsinns-Persönlichkeit“ Hannelore Elsner und die Zeit nach ihrem Tod.
Wissen Sie, ob Hannelore Elsner sich diesen Film ganz bewusst als ihren letzten, als ihren Abschiedsfilm ausgesucht hat?
Ja, das weiß ich, und die Antwort ist: Nein. Denn wir waren zu diesem Projekt schon seit sieben Jahren verabredet.
Oh, das ist lange.
Es sollte erst ein Kinofilm werden. Das klappte mit der Finanzierung aber nicht, dann lag das Projekt eine Weile auf Eis. Und irgendwann hat sich der Bayerische Rundfunk von mir überzeugen lassen, den Film als Fernsehfilm zu drehen.
Und Hannelore Elsner hat so lange mit Ihnen gemeinsam „gewartet“?
Nicht ganz (Lacht.) Als ich sie 2018 – also fünf Jahre nach unseren ersten Gesprächen zu diesem Film – beim Hessischen Filmpreis traf und ihr sagte: „Hannelore, jetzt wird was draus“, da antwortete sie: „Ach, Boris, jetzt habe ich gerade das Drehbuch weggeworfen.“ (Lacht.) Wir haben ihr dann ein neues geschickt. Und sie hat sich sehr gefreut, weil, das darf ich sagen, ihr das Projekt etwas bedeutet hat.
Umso tragischer, dass der Film, in dem sie eine sterbenskranke Frau spielt, von der Realität eingeholt wurde.
Ja, leider. Als wir angefangen haben zu drehen, sind wir davon ausgegangen, dass sie gesund ist. Sie kam zur ersten Drehbuchlesung und war, wie sie war.
Nämlich?
Eine Mittelpunktsperson. Sie hat diese Drehbuchtermine komplett an sich gerissen. Da saßen 15 Schauspieler, aber es drehte sich eigentlich nur um sie. Sie war eine Wahnsinns-Persönlichkeit.
Respekteinflößend.
Ja, man musste jedenfalls immer gewappnet sein, wenn man sie traf. Sie konnte schon den einen oder anderen Spruch raushauen. Gerade, wenn ihr irgendetwas nicht passte.
Ohne diese ausgeprägte Willensstärke hätte sie diesen Film vermutlich niemals gedreht.
Sie wollte einfach bis zum Schluss arbeiten. Das kann man auf jeden Fall sagen. Und sie hat bis zum allerletzten Moment gedacht, dass wir diesen Film irgendwie fertig bekommen. Sie hat uns aus dem Krankenhaus heraus noch ausrichten lassen, dass man die Szenen, die sie nicht mehr drehen konnte, doch vielleicht per Zeichentrick einfügt. Es hat sie bis zum Schluss beschäftigt, und sie wollte, dass dieser Film fertig wird. Sie wollte ihre Pflicht erfüllen.
Zeichentrick kam für Sie nicht infrage, Sie haben eine andere, sehr besondere Lösung gefunden und fünf großartige Schauspielerinnen gebeten, die Rolle der Mutter für Hannelore Elsner zu spielen.
Das war ein ziemlicher Prozess. Als klar war, Hannelore ist krank, haben wir zunächst auf Stand-by gestellt. Als dann klar war, sie kommt nicht zurück, haben wir den Film erst einmal abgewickelt und zur Seite gelegt. Dann ist sie gestorben, und wir haben getrauert. Schließlich, mit dem notwendigen Abstand, haben wir diese Idee entwickelt, die von unserer Autorin Gerlinde Wolf stammt: Fünf sehr bekannte deutsche Schauspielerinnen spielen die fünf Szenen, die Hannelore nicht mehr drehen konnte.
Haben die fünf denn sofort zugesagt? Das sind ja auch alles Kaliber…
Relativ schnell haben sie zugesagt. Sie fanden die Idee toll, weil es eine Hommage ist. Fünf wunderbare Kolleginnen, fünf Damen verneigen sich vor Hannelore Elsner. Und das finde ich tatsächlich sehr schön.
Das Gespräch führte
Stefanie Thyssen.
„Lang lebe die Königin“
ist ab morgen in der
ARD-Mediathek abrufbar. Das Erste zeigt den Film am 29. April um 20.15 Uhr.