Der Menschenfreund

von Redaktion

Dieter Kürten, langjähriger Moderator des „Aktuellen Sportstudios“ im ZDF, wird heute 85

VON BERNADETTE WINTER UND RUDOLF OGIERMANN

Dass er heute überhaupt seinen 85. Geburtstag feiern darf, erfüllt Dieter Kürten mit großer Dankbarkeit. Im Jahr 2011 war der langjährige Moderator des ZDF-„Sportstudios“ in seinem Wohnort Wiesbaden nach einem Herzinfarkt auf der Straße zusammengebrochen und musste wiederbelebt werden. „Wenn ich nicht mehr wach geworden wäre, wäre das ein großartiger Tod gewesen“, sagt Kürten rückblickend. „Aber danach wieder von vorne anfangen zu dürfen, ist schon ein Geschenk.“

Seinen Ehrentag werde er wegen Corona alleine zuhause verbringen, ganz in Ruhe, erzählt Kürten. „Ich bin mal gespannt, was meine Kinder machen.“ Er habe darum gebeten, keine Geschenke zu bekommen: „Meistens halten sie sich aber nicht daran.“ Trotz aller Einschränkungen gehe es ihm gut, betont der Mann mit dem schon lange schlohweißen Haar. Er lese viel, sei unterwegs an der frischen Luft oder spiele Klavier: „Man kann sich dabei alles, was einen belastet, von der Seele spielen.“

Sympathisch und souverän – so wurde Kürten zur Fernsehikone. Als viele Kollegen nebenan bei der ARD-„Sportschau“ noch stocksteif ihre Texte aufsagten, meisterte der gebürtige Duisburger in der samstagabendlichen Live-Show im Zweiten locker auch kritische Momente. Legendär eine Sendung von 1986, als gleich mehrere Einspieler hintereinander nicht starten wollten, was den Moderator keine Sekunde aus der Ruhe brachte.

Manch einem Kritiker galt sein Interviewstil mitunter als zu harmlos. Kürten, der Menschenfreund, blieb dennoch dabei und prägte das „Aktuelle Sportstudio“, das er zwischen 1967 und 2000 nicht weniger als 375 Mal moderierte. „Wenn man mir beim ZDF gesagt hätte, ich sei zu verbindlich, hätte ich gesagt, dann müsst ihr das jemand anderes machen lassen“, sagt er dazu. Und: „Mir ist es wichtig, dass ein Gast erhobenen Hauptes das Studio verlässt.“ Zu seiner Zeit seien viele Sportler noch nicht so geschult gewesen im Umgang mit Journalisten. Warum sie also ins Messer laufen lassen?

So wurde die freundliche, unaufgeregte Art das Markenzeichen des ZDF-Veterans. Mit 28 kam der gelernte Kaufmann zum gerade erst gegründeten Mainzer Sender. Dort traf er auf „Sportstudio“-Mitbegründer Wim Thoelke, der eine Sport- und Unterhaltungssendung plante. Kürten passte perfekt in das Konzept. Erst mit der Fußball-WM 2006 beendete er seine Karriere. Zuvor hatte Kürten zahlreiche Spiele kommentiert, unter anderem das EM-Finale 1980 (Deutschland – Belgien) und das WM-Halbfinale 1990 (England – Deutschland). Lange Zeit kickte er auch selbst und verfolgt bis heute Bundesligaspiele in Frankfurt oder in Mainz live im Stadion.

Kürten glaubt, dass der Fußball im Moment vielen Menschen fehlt, „als Ausgleich für ihr alltägliches Arbeitsleben.“ Dennoch hofft er, dass der Sport nach der Corona-Krise ein anderer sein wird. „Die Menschen werden ihn mit anderen Augen sehen.“ Der wilde Spaß sei vorbei, die Fans würden ruhiger, besonnener werden.

Von den zahlreichen „Sportstudio“-Erlebnissen ist vor allem die Geschichte mit „Tarzan“-Darsteller und Weltklasseschwimmer Johnny Weissmüller, dessen Frau Maria und einem Schimpansen unvergesslich geblieben. Bei dem Besuch im Studio stibitzte der Affe die Perücke von Maria Weissmüllers Kopf. Sie sei dennoch „einmalig souverän“ geblieben, erinnert sich Kürten lachend.

Seinen liebsten Fernsehmoment erlebte er hingegen mit Giovanni Trapattoni bei dessen letztem Spiel als Trainer des FC Bayern im DFB-Pokalfinale 1998. Kürten habe ihm gesagt, die Menschen würden ihn vermissen. „Da hatte der Mann plötzlich Tränen in den Augen und ist mir um den Hals gefallen“, erzählt er. „Und dann habe ich auch angefangen zu weinen,“ Momente für die Ewigkeit.

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