Sehnsucht nach den alten Rollenbildern

von Redaktion

Im neuen Charlotte-Lindholm-„Tatort“ aus Göttingen an diesem Sonntag geht es um Rechtsfeminismus

VON ULRIKE CORDES

Dieser „Tatort“ liegt Maria Furtwängler ganz besonders am Herzen, ist die Münchner Schauspielerin doch seit Langem eine ausgewiesene Kämpferin für die Rechte von Frauen in aller Welt. In ihrem neuen Göttinger Fall „National feminin“, zu sehen am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten, bekommt Furtwängler es mit Mordermittlungen im Umfeld von rechtsradikalen Studierenden zu tun, die einem überkommenen Frauenbild anhängen. Menschen, die die blonde Deutsche und Europäerin von Migranten bedroht sehen, deren Zuzug gestoppt werden müsse.

„Aus meiner Sicht als Feministin ist es herausfordernd, dass der Film das nach meiner Meinung in der Gesellschaft nicht angemessen behandelte Thema des Rechtsfeminismus beleuchtet“, sagt die Schauspielerin im Interview. Vor Beginn des Drehs habe sie sich noch einmal mit dieser Bewegung befasst, erklärt Furtwängler. Widerstand gegen den Mainstream und die Sehnsucht nach den Rollenbildern der Vergangenheit brächten wohl junge Menschen dazu, solcher Ideologie Glauben zu schenken.

Als niedersächsische Kommissarin Charlotte Lindholm sieht sich Furtwängler in „National feminin“ einer sich so nennenden „Jungen Bewegung“ gegenüber, nachdem die Studierende Marie Jäger (Emilia Schüle) tot und mit durchschnittener Kehle im Göttinger Stadtwald gefunden wurde. Jäger war rechte Bloggerin sowie studentische Hilfskraft und – wie sich bald herausstellen soll – Geliebte der konservativen, mit einer Frau verheirateten Juraprofessorin Sophie Behrens (Jenny Schily), die vor dem Sprung ans Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe steht.

Nach dem Drehbuch von Florian Oeller präsentiert der Film von Franziska Buch dann Maries nationalistisch gesinnte WG – drei Jungakademiker, für die als Täter nur ein Feind der deutschen Frau in Frage kommen kann. Sie verweigern die Zusammenarbeit mit der Polizei, weil sie ihr unterstellen, den wahren Täter gar nicht finden zu wollen. Noch dazu sind die Ermittler weiblich, eine davon mit Migrationshintergrund.

Es ist der dritte gemeinsam Fall für Lindholm und die von Florence Kasumba gespielte Anais Schmitz. „Dass die beiden die Probleme, die sie als zwei Alpha-Frauen miteinander haben, nun hintanstellen, ist auf jeden Fall ein kluger Move des Drehbuchs“, erklärt Furtwängler: „Unter diesem besonderen Druck, unter dem die Kolleginnen stehen, sich gegenseitig zu unterstützen, ist ein wichtiges Signal.“

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