„Ich wollte mich mal von der ,Pussy’ lösen“

von Redaktion

INTERVIEW Komikerin Carolin Kebekus über ihre neue Sendung „Die Carolin Kebekus Show“ im Ersten

Sie ist eine der bekanntesten Komikerinnen Deutschlands – Carolin Kebekus. Nach dem Ende von „Pussy Terror TV“ kehrt die 40-jährige Kölnerin, die regelmäßiger Gast der ZDF-„heute show“ ist, jetzt mit einer neuen Satiresendung ins Erste zurück. Auch in „Die Carolin Kebekus Show“ will sie wieder Promis, Politiker und Influencer derblecken. Das neue Format läuft ab Donnerstag wöchentlich um 23.30 Uhr, für 2020 sind acht Folgen geplant.

Mitten in der Corona-Krise starten Sie Ihre neue Satireshow. Ist die Krise für Entertainer auch eine Inspirationsquelle?

Ich habe ein Problem damit, Corona als kreative Quelle zu sehen. Bei Donald Trump sagt man oft: Mist, dass es den gibt, aber für Comedians ist es toll, weil man daraus so viel machen kann. Das würde ich für Corona nicht sagen, denn es ist für viele Menschen lebensgefährlich. Im Lockdown kreativ zu sein finde ich außerdem persönlich schwierig.

Warum?

Normalerweise sitzen wir alle, meine Autoren und ich, an einem Tisch, da sagt auch mal eine Minute lang keiner was, oder man schaut sich bei Youtube was an. In den Videokonferenzen ist das anders, schon allein wegen der nervigen Zeitverzögerung.

Was verbinden Sie mit dem neuen Titel?

Ich wollte mich mal von der „Pussy“ lösen. Es ist eine Personalityshow, in der ich meine Sicht auf die Welt von mir gebe. Ich finde es gut, dass mein Name jetzt nicht mehr hinter der Provokation versteckt ist.

Was ändert sich außer dem Namen noch?

Wir kriegen ein neues Studio, das wahnsinnig gut aussieht. Wegen Corona können wir momentan keine Band und kein Live-Publikum haben, das ist schade, aber auch eine neue Herausforderung. Und ich will mich manchen Themen auch mal länger widmen.

Welche Themen sind das zum Beispiel?

Ein Beitrag ist von dem Buch „Unsichtbare Frauen“ inspiriert. Es geht darum, dass Frauen speziell in den technischen Bereichen des öffentlichen Lebens keine Rolle spielen, weil da nur mit männlichen Daten gearbeitet wird. Es gibt zum Beispiel für Crashtests keine Puppe, die einen Frauenkörper darstellt – alles, was wir an Features zur Unfallvermeidung im Auto haben, ist auf Männer ausgelegt. Oder das neue künstliche Herz, das jetzt entwickelt wurde und das fantastisch funktionieren soll. Für Frauen ist es allerdings zu groß.

Gibt es ein Wiedersehen mit den beiden Influencerinnen Rebecca und Larissa?

Ja, und darüber bin ich total glücklich. Da ist mein Bruder übrigens als Regisseur mit an Bord.

In jüngster Zeit gab es mehrere Angriffe auf Kamerateams, unter anderem eines der „heute show“, für die Sie ja auch arbeiten…

Das ist an Feigheit, Dreistigkeit und Aggressivität nicht zu überbieten. Egal welche Gruppe dahintersteht, das kann man nur verurteilen. Das sind Kollegen, die ich kenne – das hätte auch ich sein können, die da dreht. Es ist ein absurdes Gefühl, wenn man plötzlich mit einer solchen Gewalt in Berührung kommt.

Sie haben gepostet, dass Ihre Mama Ihnen in der Zeit des Lockdowns per Videotelefonie das Stricken beigebracht hat. Gibt es schon ein fertiges Werk, vielleicht eine Maske?

Nee, ich glaube, die wäre gestrickt auch nicht so richtig wirkungsvoll. Mir tut derjenige leid, der mein erstes Strickstück bekommt. Es soll ein Pullover werden. Er wird vermutlich nicht der schönste, aber immerhin ein Unikat.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

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