Ritt auf dem Besenstiel

von Redaktion

VON ANTONIO SEIDEMANN

Das Coronavirus beeinflusst und beeinträchtigt die Arbeit von Künstlern, egal ob auf der Bühne, vor oder hinter der Kamera. Das Team der Sendung „Vereinsheim Schwabing“ im BR Fernsehen musste sich allerhand einfallen lassen, um für die neuen Folgen die Hygienevorschriften einzuhalten. Eine wichtige Rolle spielte da ein grün eingefärbter Besenstiel mit der genauen Länge von 1,50 Meter. „Den bekamen wir vom Bayerischen Rundfunk, um die nötigen Distanzen zu wahren“, erinnert sich Caroline Redka, die als Organisatorin für Vereinsheim-Chef Till Hofmann arbeitet und den Kontakt hält zwischen der Kabarettbühne und dem Fernsehsender. „Beim BR gelten strenge Auflagen. Bei uns auch. Wir wollen schließlich kein Infektionsherd sein.“

Um diese einzuhalten, griff das Team auf einige Tricks zurück. Beim Dreh waren stets die drei fixen Personen der Sendung: Moderatorin Constanze Lindner, der musikalische Partner Norbert Bürger und „Lateiner“ Björn Puscha. „Wir mussten die drei natürlich räumlich trennen“, erklärt Redka. „Der Norbert kam hinter die Bar, Björn kam in die Künstlerwohnung, die sich genau über dem Vereinsheim befindet.“ Da aber Constanze Lindner und Björn Puscha miteinander zu kommunizieren hatten, war wieder Fantasie angesagt. „Es kamen Handys zum Einsatz, Dosentelefone, mal wurde mit dem Besenstiel gegen die Decke gestoßen oder einfach über das Treppenhaus gerufen.“

Die Teams für die Aufnahmen wurden klein gehalten – zwei Kameras, ein Tontechniker. Die sollten aber nicht nur schauen, dass Bild und Sound passen, sondern zumindest ein wenig auch als Zuschauer reagieren. „Besonders hart war dies für die Constanze (Lindner)“, erinnert sich Redka. „Sie musste immer für Stimmung sorgen, ohne Publikumsreaktion.“ Die Moderatorin, Schauspielerin und Kabarettistin hatte sich aber etwas ausbedungen. „Ich habe darauf bestanden, dass wenigstens in der vorderen Reihe irgendetwas ist, auch wenn es Luftballons mit aufgemalten Gesichtern sind“, so Lindner. Für die künstlerischen Gäste galt das gleiche Problem. Hinzu kamen natürlich technische Anforderungen.

Da ein Live-Mitschnitt in verschiedenen Räumlichkeiten ein zu großer Aufwand gewesen wäre, mussten die Künstler ihre Beiträge selbst erstellen und einschicken. „Es ist aber nicht jeder Kabarettist und Musiker versiert darin, eine einigermaßen professionelle Aufzeichnung von sich zu produzieren“, gibt Redka zu bedenken. Ein Mindestmaß an Qualität darf es für den BR schon sein. Bei einigen Künstlern wurde allerdings eine Ausnahme gemacht. Die drehten ihre Beiträge im Lustspielhaus. Zum Glück verfügt Till Hofmann in Schwabing über mehrere Räumlichkeiten: Vereinsheim, Münchner Lach- und Schießgesellschaft, Lustspielhaus und besagte Künstlerwohnung.

Das war auch von Vorteil, als sich bei einem Dreh Constanze Lindners Mops mit dem schönen Namen Bruno Opel bei einer an „Dinner for One“ angelehnten Szene mit einem Tigerfellteppich anlegte und nicht mehr beruhigt werden konnte. Der Mops wurde dann von Set zu Set gereicht, um drehen zu können, hinterließ aber an jeder Station ein wenig Chaos.

Trotz aller Schwierigkeiten zieht Caroline Redka eine positive Bilanz: „Wir haben für die Folgen ohne Publikum zum ersten Mal richtige Drehbücher geschrieben, damit etwa die Kommunikation zwischen Björn und Constanze funktioniert. Man musste ja erklären, warum Björn jetzt nicht hinter der Bar steht. Das hat Spaß gemacht, einmal etwas anderes auszuprobieren. Trotzdem haben wir es, glaube ich, geschafft, den Charakter von ,Vereinsheim Schwabing‘ beizubehalten.“

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