Corona-Zeit war in den vergangenen Wochen für viele Menschen auch Fernseh-Zeit. Die Mischung aus einem starken Bedürfnis nach Information und dem Umstand, dass (vor allem in den Abendstunden) die Alternativen wie Kino oder lange Zeit auch Restaurantbesuche ausfielen, ließ die Quoten einer ganzen Reihe von Sendungen in die Höhe schnellen. Profitiert haben vor allem die Nachrichten und die Talkshows.
Seit Mitte März gab es bei Anne Will, Maybrit Illner und Co. im Grunde nur noch ein Thema: das Virus und die Folgen der Pandemie. Mehrfach schickte die ARD Frank Plasberg mit „Hart aber fair“ sogar direkt nach dem „ARD extra“ beziehungsweise der „Tagesschau“ auf Sendung, was der Quote noch mal einen schönen Schub gab. Wir haben uns die Zahlen genauer angeschaut. Lesen Sie, wer wie stark von Corona profitiert hat.
„Anne Will“
Die 54-jährige Moderatorin erreicht am Sonntag (nach dem quotenstarken „Tatort“) von allen Talkshows traditionell die meisten Zuschauer. In der Zeit vor Corona (die ARD hat den Zeitraum Januar bis 23. Februar 2020 gewählt), kam sie auf 3,3 Millionen Zuschauer (11,9 Prozent Marktanteil). Die Corona-Ausgaben ab dem 8. März erreichten dann satte 4,5 Millionen (15,4 Prozent, jeweils beim Gesamtpublikum).
„Hart aber fair“
Frank Plasberg (63) hat mit seiner Sendung, die montags ausgestrahlt wird, ebenfalls profitiert. Bis zum 17. Februar lag die Quote bei 2,7 Millionen Zuschauern (8,9 Prozent), seit März schauen 3,7 Millionen zu (11,6 Prozent).
„Maybrit Illner“
Die ZDF-Talkmoderatorin hat wie die ARD-Kollegen auch Zuschauer hinzu gewonnen: Vom 9. Januar bis zum 12. März kam Maybrit Illner (55) auf durchschnittlich 2,7 Millionen Zuschauer (13,6 Prozent Marktanteil). Die acht Ausgaben seit dem 19. März bis zum 26. Mai erreichten durchschnittlich 3,31 Millionen Zuschauer (15,5 Prozent).
„Markus Lanz“
Die Sendung des 51-Jährigen muss man inzwischen auch zu den politischen Talkshows zählen. Lanz diskutierte seit dem 17. März ebenfalls permanent (und an drei Tagen die Woche) über die Pandemie – und das Publikum dankt es ihm. Während in der Zeit vom 7. Januar bis zum 12. März durchschnittlich noch 1,59 Millionen Zuschauer eingeschaltet haben (13,4 Prozent Marktanteil), waren es bei den 31 (!) Ausgaben seit dem 17. März im Schnitt 2,07 Millionen (15,4 Prozent). Bemerkenswert: Bei den 14- bis 49-Jährigen konnte Lanz den Wert sogar verdoppeln: von 220 000 Zuschauern (6,2 Prozent) auf 440 000 (10,2 Prozent).
Fazit: Nach so vielen erfolgreichen Ausgaben dürften alle Talkshow-Moderatoren nun mit einem guten Gefühl in die Sommerpause gehen. Wie bereits berichtet, dauert die bei den ARD-Formaten heuer besonders lang. Den Anfang macht Sandra Maischberger, die sich vom 10. Juni bis zum 29. Juli verabschiedet. Es folgt Anne Will, die vom 14. Juni bis zum 30. August nicht auf Sendung gehen wird, und schließlich Frank Plasberg, dessen Sendung „Hart aber fair“ vom 29. Juni bis 17. August Pause macht. Beim ZDF beginnen die Talkferien 2020 einige Tage später als im vergangenen Jahr. Maybrit Illner und Markus Lanz verabschieden sich am 9. Juli. Illner kehrt am 20. August zurück. Lanz bereits am 11. August.
Sommerpause ist für Nachrichtensendungen natürlich keine Option – zumal die Coronazeit zeigt: Seriöse Informationen sind wichtiger denn je. Und gefragter, wie ein Blick auf die Quoten zeigt: Die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen haben in der Krise noch mehr Zuspruch erfahren als ohnehin schon. Die Reichweite der 20-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“ im Ersten etwa stieg laut dem Medienmagazin „DWDL“ um 28 Prozent an, wenn man den Zeitraum ab dem 16. März – also seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen – bis Mitte Mai mit dem Zeitraum davor (seit dem 1. Januar) vergleicht.
Noch deutlicher war der Anstieg bei der Hauptausgabe der „heute“-Nachrichten im ZDF, die um 31 Prozent zulegte. In absoluten Zahlen heißt das: 5,4 statt zuvor 4,1 Millionen Zuschauer für „heute“, 7,2 statt 5,6 Millionen Zuschauer bei der „Tagesschau“ im Ersten.