Frau König hat ein Problem. Nein, Frau König, wie LKA-Profilerin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) auch nach zehn Jahren „Polizeiruf 110“ aus Rostock von ihrem Kollegen Kommissar Alexander Bukow (Charly Hübner) genannt wird, hat viele Probleme. Das schwerwiegendste hat sie sich vor eineinhalb Jahren in der Folge „Für Janina“ eingehandelt, als sie selbst eine Straftat beging. Um einen Mann für einen ungesühnten Mord aus DDR-Zeiten ins Gefängnis zu bringen, fälschte sie Beweise in einem anderen, aktuellen Mordfall – mit dem gewünschten Erfolg. Der im Lauf der Jahre möglicherweise geläuterte Familienvater Guido Wachs (Peter Trabner), der einen Mord auf dem Gewissen hat, wurde verurteilt.
Im neuen Fall des Duos mit dem Titel „Der Tag wird kommen“, zu sehen an diesem Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten, streben die aus der Fälschung entstandenen Konflikte langsam ihrem Show-down entgegen. Denn seit der massiven Gesetzesübertretung ist König labil – immer in Sorge, dass sie jederzeit und trotz der Rückendeckung durch Bukow überführt werden kann. Die Gefahr, die von dem verurteilten Mörder ausgeht und ihre Karriere massiv gefährdet, lässt sich für sie nur noch mit Medikamenten beherrschen. Und dann will Wachs mit der Ermittlerin auch noch einen Deal verabreden.
König scheint nun am Ende ihrer Kräfte zu sein. Dabei müsste sie sich konzentrieren, um zusammen mit Bukow den Mord an einer jungen Frau im Rostocker Stadthafen aufzuklären. Ein Mord, den sie vielleicht hätte verhindern können, wenn sie an diesem frühen Morgen beim Joggen nicht von zwei Jugendlichen bewusstlos geschlagen worden wäre.
Regisseur Eoin Moore – er entwickelte die Hauptcharaktere und inszenierte die meisten der bisher 21 Fälle – und Drehbuchautor Florian Oeller verdichten das Geschehen, indem sie wie in früheren Folgen auch die Biografien der Figuren kontinuierlich weitererzählen. Allerdings wenden sich Moore und Oeller von einem im Rostocker „Polizeiruf 110“ oft gesehenen Ritual ab, die Hansestadt in düsteren Farben zu zeigen. So sind beispielsweise der Stadthafen und das idyllische Ufer der Warnow zu bewundern. Gedreht wurde auch auf der rund 40 Kilometer entfernten Halbinsel Wustrow, die seit Jahrzehnten ohne Erlaubnis nicht betreten werden darf.
Der „Polizeiruf“ ist die letzte Neuproduktion der Saison, ab kommendem Sonntag laufen „Tatort“-Wiederholungen, über die die Zuschauer entscheiden (wir berichteten).