Mit allen Wassern gewaschen

von Redaktion

„Deutschlands große Clans“ erzählt die Geschichte der Familie Mülhens und des Eau de Cologne

VON KATRIN BASARAN

Diesen Duft kennt jeder – Zitrone gemischt mit Orange, etwas Lavendel, dazu würziges Rosmarin, Bergamotte und Neroli aus der Bitterorange. Für viele birgt er einen Hauch von Nostalgie, hatten Großmutter und das liebenswerte Erbtantchen nicht immer so gerochen? Es ist „4711“, auch als Eau de Cologne bekannt. Im Jahr 1792 vom Unternehmer Wilhelm Mülhens erfunden oder vielmehr geschickt nachgemacht, trat es seinen Siegeszug um die Welt an. Zahlreiche Mythen und Rätsel umgeben sowohl die Marke als auch die Familie dahinter. Das ZDF hat dem Traditionsunternehmen eine Folge aus der Reihe „Deutschlands große Clans“ gewidmet, zu sehen heute um 20.15 Uhr.

Der Film von Heike Nelson beginnt mit einem Paukenschlag. Dynastiegründer Wilhelm Mülhens aus Köln wird als schlitzohriger Produktpirat enttarnt. Vieles spricht dafür, dass er sich 1792 den ursprünglichen Namen seines Duftwassers Farina Ende des 18. Jahrhunderts ergaunert hat. Nämlich bereits seit 1709 stellten zwei Parfumeure namens Farina in Köln ein edles „Wunderwasser“ her, das sie Eau de Cologne taufen. Später behaupten die Mülhens, ein Mitglied der Familie Farina, genauer gesagt ein Kartäusermönch, habe ihnen den Namen zur Nutzung überschrieben. Dessen Nachfahre Johann Maria Farina bestreitet das bis heute. Insgesamt wurden rund 1000 Prozesse zwischen den beiden Familien geführt.

Fakt ist aber, dass Mülhens geschäftlich das bessere Händchen hat. Er kauft mit den ersten Gewinnen das Haus in der Glockengasse Nummer 4711. Gegenüber liegt eine Pferdepost, vor der viele Reisende warten – und gern im Laden gegenüber das erfrischende Mülhens-Wässerchen kaufen – der Siegeszug der Marke beginnt.

Filmemacherin Nelson hat für ihre „4711“-Story tief gegraben. Sie durfte in Archiven stöbern, mit Familienmitgliedern sprechen und der Chefparfümeurin auf den Zahn fühlen. Heraus kam eine erstaunliche Familienchronik, die spannend und fundiert von heimlichen Liebschaften und weitsichtigem, ja kreativem Geschäftssinn berichtet. Davon, dass wir den nicht minder bekannten Duft „Tosca“ eigentlich der französischen Modedesignerin Coco Chanel verdanken, und von der nützlichen bis unheilvollen Nähe zur Haute Volée, explizit im „Dritten Reich“.

Schlussendlich war es aber die Abkehr von einer Familientradition, die letztlich zu einem Zerwürfnis der Erben in sechster Generation führte, das den Verkauf des Unternehmens unausweichlich machte. Die Marke „4711“ hat die bewegten Zeiten überdauert. Auch die zeitweilige Übernahme durch den internationalen Konzern Procter & Gamble. Heute ist das Unternehmen wieder in Händen deutscher Eigentümer. Mit neuem Schwung versucht Mäurer & Wirtz das gute alte Eau de Cologne in moderne Zeiten zu führen. Wie ungebrochen die Faszination des Kölnisch Wassers ist, belegt auch diese Zahl: Das Stammhaus in der Glockengasse 4711 besuchen jährlich mehr als 100 000 Gäste aus aller Welt.

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