Nachdem der Deutsche Fernsehpreis einige Jahre ohne große Gala – und vor allem ohne Publikum – vergeben wurde, sollte heuer endlich alles anders werden. Der Kölner Privatsender RTL hatte eine große Show geplant, um die Besten der Besten der Branche zu ehren. Doch dann machte Corona den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung – die begehrten Auszeichnungen mussten heuer wieder ohne Glanz und Glamour vergeben werden. Gestern wurden die Preisträger schlicht bekannt gegeben.
In der Kategorie Unterhaltung darf sich Barbara Schöneberger gemeinsam mit Thomas Gottschalk und Günther Jauch über die Auszeichnung als beste Moderatorin der RTL-Sause „Denn sie wissen nicht, was passiert“ freuen. Zur besten Show wurde „The Masked Singer“ (Pro Sieben) gekürt. Ein Extrapreis ging an Gewandmeisterin Alexandra Brandner aus Mühldorf am Inn für die Kostüme. Beste Comedy ist heuer die „heute show“ (ZDF), die sich gagen „Die Anstalt“ (ebenfalls ZDF) und „Kroymann“ (ARD) durchsetzte. Maren Kroymann wurde – zusammen mit Sebastian Colley – jedoch als „Beste Autorin/Bester Autor“ geehrt.
Der ZDF-Dreiteiler „Preis der Freiheit“ ist heuer der große Gewinner. Nicht nur die Produktion als Ganzes, auch Barbara Auer und Joachim Król wurden für ihre Leistungen in dem Drama über die Wendejahre in der DDR mit Auszeichnungen bedacht – Auer als „Beste Schauspielerin“, Król als „Bester Schauspieler“. Darüber hinaus fuhr „Preis der Freiheit“ die Ehrung als „Bester Mehrteiler“ ein. Immerhin doppelt ausgezeichnet wurde die ARD-Tragikomödie „Eine harte Tour“. Regisseurin Isabel Kleefeld gewann in der Kategorie „Beste Regie Fiktion“, Drehbuchautorin Dominique Lorenz in „Bestes Buch Fiktion“.
Die Corona-Pandemie spiegelte sich auch in den Auszeichnungen wider. Senderübergreifend ging ein Sonderpreis an mehrere Redaktionen für ihre Berichterstattung, konkret an die ARD, das ZDF, RTL, Pro Sieben, Sat.1 und n-tv mitsamt den verantwortlichen Journalisten. Den Förderpreis bekam heuer die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, die unter anderem mit einem Corona-Kommentar in den „Tagesthemen“ (ARD) beeindruckt habe, urteilte die Jury. In der Kategorie „Beste Moderation Information“ ging der Preis an Marietta Slomka für ihre „heute journal“-Interviews.
Bei der viel beachteten Kategorie „Beste Dramaserie“ setzte sich „Der Pass“ (Sky) durch. Im Pendant „Beste Comedyserie“ siegte die deutsche Netflixpoduktion „How to sell Drugs online (fast)“. Im Realityfernsehen punktete RTL. Der Sender gewann mit seinem Format „Das Sommerhaus der Stars“ die Auszeichnung in der Kategorie „Beste Unterhaltung Reality“.
Vergeben wird der Deutsche Fernsehpreis seit 1999 von den großen Programmanbietern, beteiligt sind ARD, RTL, Sat.1 und das ZDF. Er löste damals den Telestar (ARD/ZDF) und den Goldenen Löwen (RTL) ab. In der Jury saßen heuer unter anderen Schauspielerin Maria Furtwängler, Autor Orkun Ertener („Tatort“) und Journalistin Antonia Rados.
Im kommenden Jahr soll nun ein neuer Anlauf für eine große Preisgala unternommen werden. Das kündigte RTL an. „Wir werden den Staffelstab in den Händen behalten“, heißt es dazu aus Köln: „Das bedeutet, dass wir im nächsten Jahr einen Deutschen Fernsehpreis haben werden, den wir dann – so hoffen wir – mit Glanz, Gloria und rotem Teppich feiern können, als große Samstagabendshow live bei RTL.“