Rekordverdächtig

von Redaktion

ARD, ZDF und Eurosport müssen hunderte Stunden Olympia-Ersatzprogramm produzieren

VON MICHAEL ROSSMANN

Am vergangenen Freitag hätte es losgehen sollen – die Olympischen Spiele in Tokio hätten bis 9. August die Programme auch der deutschen Fernsehsender geprägt, mit Live-Übertragungen, Zusammenfassungen und Sporttalkshows. Doch bekanntlich wurden die Spiele wegen Corona um ein Jahr verschoben. Nicht nur für Gastgeberland Japan ist das eine schwierige Situation, auch für die übertragenden Sender. Was senden in der Zeit, in der Olympia auf dem Programm stand?

Wie viele Stunden Programm fallen aus?

Insgesamt rund 260 Stunden Live-Berichterstattung hatten ARD und ZDF in den zweieinhalb Wochen geplant, dazu die Berichterstattung in den Nachrichten und in Sportregelsendungen. „Wir können das Programm mit Sport nicht füllen, nicht im Ansatz“, sagt ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann. Da auch die Fußballeuropameisterschaft verschoben worden war, musste das Erste „etwa 200 Stunden Ersatzprogramm aus dem Boden stampfen“, wie ARD-Chef Tom Buhrow schätzt. Ähnlich sind die Zahlen beim ZDF.

Was bedeutet das für die Planung?

Die knapp zweijährige Vorbereitung der Sender für Tokio war vergeblich. Auch wenn für das kommende Jahr nicht alles neu konzipiert werden muss, geht es in vielen Bereichen wieder von vorne los. „Ein Problem ist, dass wir uns jetzt eigentlich schon mit der Vorbereitung der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking beschäftigen müssen“, erklärt der ZDF-Sportchef.

Welche Unsicherheiten gibt es?

„Ich schaue mit Interesse auf alle Meldungen aus Tokio“, sagt Fuhrmann: „Ob die Olympischen Spiele tatsächlich im nächsten Jahr stattfinden, kann momentan niemand sagen.“ Daher läuft vieles unter Vorbehalt: „Es fehlt die Planungssicherheit“, so der ZDF-Mann. „Fußballspiele funktionieren ohne Publikum, aber Olympia ohne Zuschauer kann ich mir nicht vorstellen.“

Welche finanziellen Auswirkungen hat das?

Spareffekte durch den Ausfall von Olympia und EM gibt es in diesem Jahr nicht. „Es wird eher teurer“, sagt der ARD-Vorsitzende – sofern beide Großveranstaltungen im nächsten Jahr nachgeholt würden. Und das Ersatzprogramm koste natürlich auch.

Was zeigen die Sender statt Sport?

Wiederholungen und noch mehr Wiederholungen, vor allem Filme und Serien. „Auch in Jahren ohne Sport werden in den Sommermonaten mehr Wiederholungen gezeigt als sonst“, betont ARD-Programmchef Volker Herres. Kurzfristig ließen sich keine Neuproduktionen erstellen, und durch die Corona-Krise sei zuletzt ohnehin weniger gedreht worden.

Gibt es überhaupt Sportsendungen?

Live-Sport ist in diesen Wochen ein rares Gut. Zu den wenigen Ausnahmen gehören die deutschen Leichtathletikmeisterschaften am 8. und 9. August im niedersächsischen Braunschweig. Am Samstag wird die ARD nach Veranstalterangaben fast drei Stunden im Hauptprogramm live übertragen und am Sonntag das ZDF. Der Mainzer Sender zeigt zudem online „Olympische Momente“ von früheren Spielen – beispielsweise die Erinnerungen des langjährigen ZDF-Chefmeteorologen Gunther Tiersch an seine Erlebnisse als 14-jähriger Steuermann des Deutschlandachters 1968 in Mexiko.

Was macht Eurosport?

Härter als die öffentlich-rechtlichen ARD und ZDF trifft die Verlegung der Spiele Eurosport. Der Spartensender kann sein Programm nicht mit Film- und Serienwiederholungen füllen und greift auf Aufzeichnungen alter Sportübertragungen zurück. Zu den wenigen Live-Übertragungen gehören nach Senderangaben Snooker und Radsport.

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