Wer war Johannes Kepler? Ein neunzigminütiges Dokudrama, in dem der Schauspieler Christoph Bach („Dutschke“) den berühmten Astronomen spielt, erklärt es in einem Mix aus Spielszenen und Experteninterviews. „Johannes Kepler, der Himmelsstürmer“ läuft an diesem Samstag zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr als Höhepunkt des Arte-Thementags „Die Nacht der Sterne“. Auf dem Programm stehen außerdem mehrere Dokumentationen, darunter als Erstausstrahlung „Sonnenstürme – Die rätselhafte Gefahr“ um 21.45 Uhr.
Der Mathematiker und Universalgelehrte Johannes Kepler kam 1571 im heute baden-württembergischen Weil der Stadt zur Welt und lebte in einer Zeit, in der das Land durch die Reformation zerrissen war. Keplers Heimatstadt war zeitweise eine katholische Enklave inmitten des protestantischen Herzogtums Württemberg.
Die Handlung des Films setzt im Jahr 1600 ein, als Kepler, dessen Familie evangelisch ist, nicht zum ersten Mal Hals über Kopf fliehen muss. Im Zug der Gegenreformation ist der protestantische Denker im katholischen Graz, wo er zu dieser Zeit Mathematik lehrt, unerwünscht. Eine unbequeme Kutsche bringt Kepler und seine Frau nach Prag an den Hof Rudolfs II. Dort arbeitet er mit dem berühmten Astronom Tycho Brahe (gespielt von Heinz Pinkowski) zusammen und avanciert zum engen Berater des habsburgischen Kaisers. Prag war damals das Zentrum der Himmelsforschung in Rudolfs Reich.
In einer Epoche, in der viele Menschen einfach nicht glauben können, dass die Erde sich um die Sonne dreht und nicht umgekehrt, entdeckt der seit einer Pockenerkrankung sehbehinderte Denker die Gesetzmäßigkeiten, nach denen sich die Planeten um die Sonne bewegen – die nach ihm benannten Keplerschen Gesetze. Damit überwindet er kirchliche Dogmen, verhilft dem heliozentrischen Weltbild zum Durchbruch und wird zu einem Pionier der modernen Naturwissenschaften.
Das Dokudrama über einen der bedeutendsten Astronomen der Geschichte bettet die wissenschaftlichen Aspekte in Keplers spannende Lebensgeschichte ein. Der Querdenker lebte in einer Zeit, in der die Pest wütete, die sogenannte kleine Eiszeit zu Hungersnöten infolge von Missernten führte und ab 1618 der Dreißigjährige Krieg tobte. Viele Menschen flüchteten sich in Aberglauben, tausende Frauen wurden damals auf Scheiterhaufen als Hexen verbrannt. Sogar Keplers eigene Mutter wurde der Hexerei bezichtigt, doch nach einem langjährigen Prozess konnte er sie aus der Kerkerhaft befreien.
Christoph Bach spielt Kepler, der als Astrologe für Feldherr Albrecht von Wallenstein Horoskope erstellte, als einen Menschen wie du und ich. Er prügelt sich zum Beispiel mit neidischen Kollegen und ärgert sich über den jähzornigen Tycho Brahe, der buchstäblich eine goldene Nase hat – eine Prothese für seine Nasenspitze, die der Däne in einem Duell verloren hatte.