Übers Altern zu reden langweile sie. Auf ein Geburtstagsinterview zu ihrem 50. ließ sich Iris Berben im August 2000 nur ein, weil ihr die Idee gefiel, in alten Szenenfotos und Erinnerungen zu stöbern. Im kleinen Schwarzen rauschte sie ins Café Roma an der Münchner Maximilianstraße (das ihr damals gehörte), trank Espresso und rauchte genüsslich eine Zigarette, während sie leidenschaftlich über ihre Arbeit sprach – die Schauspielerei. Das ist jetzt 20 Jahre her, und schon damals war klar, dass sich diese Frau, die so beharrlich für ihre Attraktivität gefeiert wird, weit jenseits von nur schön und sexy bewegt. Was sie sich für die Zukunft wünsche, wollte ich damals wissen. „Rollen, an denen ich wachsen kann. Interessante, sperrige, spannende Figuren, Frauen, die man nicht vergisst“, sagte Iris Berben. Sie hat sie bekommen.
Ob in „Silberhochzeit“, den „Buddenbrooks“, als Bertha in „Krupp – Eine deutsche Familie“, im „Zeugenhaus“, als Cosima Wagner, in „Jugend ohne Gott“, in der Miniserie „Die Protokollantin“ oder in Dominik Grafs bewegendem Drama „Hanne“ – viele starke Charakterrollen füllte Berben mit ihrer Präsenz und ließ die Ulknudel aus der Comedyreihe „Sketchup“ weit hinter sich.
Am 12. August wird der Star nun also 70, und „ich frage mich schon manchmal staunend, was diese Zahl mit mir zu tun hat“, sagt die im nordrhein-westfälischen Detmold geborene Schauspielerin. Die Neugier, die Lust auf Geschichten, der Spaß am Spielen – das alles hat nie nachgelassen. Bester Beweis dafür sind die zwei Filme, mit denen ARD und ZDF Iris Berben ehren. „Nicht tot zu kriegen“, zu sehen am Montag um 20.15 Uhr im ZDF, ist eine Hommage an ihre Karriere. Im Thriller von Nina Grosse spielt Berben eine reife Filmdiva mit bewegter Vergangenheit, die noch einmal ein Comeback wagen will. Von einem Stalker massiv bedroht, engagiert sie einen Bodyguard (Murathan Muslu), der alle Hände voll damit zu tun hat, den extrovertierten Filmstar zu schützen…
Grosse schmückt ihren Thriller mit originalen Filmszenen aus Berbens Karriere und entwirft damit auch ein Bild der schillernden Sechziger- und Siebzigerjahre in München. „Eine große Zeit der Freiheit, in der wir uns auf einer riesigen kreativen Spielwiese austoben konnten“, schwärmt Berben.
Mit einer Mischung aus Wehmut und Staunen erinnere sie sich an die ganz frühen Filme von Regisseur Klaus Lemke. „Wie wenig perfekt wir waren, wie naiv und gleichzeitig selbstbewusst.“ Das Portfolio ihrer Produktionen sei wie ein Kaleidoskop. „Die vielen Sterne und Steinchen erinnern mich daran, dass ich 50 Jahre Film gemacht habe“, so Iris Berben, die am 12. August dann um 20.15 Uhr im Ersten in „Mein Altweibersommer“ zu sehen ist. Ein leises Fernsehspiel, in dem sie als verheiratete Geschäftsfrau Ebba Bornkamp aus ihrem bequemen Leben ausbricht und sich bei einem Kurztrip mit Ehemann Markus (großartig gespielt von Rainer Bock) spontan einem Wanderzirkus anschließt. Die Angst vor dem Altern, die Selbstzweifel, die Sehnsucht nach Kompromisslosigkeit und Unvernunft – das alles nagt an den Frauen, die Berben in beiden Filmen spielt.
Gefühle, die sie auch persönlich kennt. „Natürlich gibt es Momente der Verunsicherung“, sagt sie. „Situationen, in denen man hadert. Aber wir leben in einer tollen Zeit. Der Beruf ist noch nicht vorbei, das Leben sowieso nicht. Deshalb sollte man es zelebrieren. Ich werde die 70 auf jeden Fall staunend feiern.“