Köstliche Klischees

von Redaktion

„Matze, Kebab und Sauerkraut“ – eine Werbung für Toleranz zwischen den Religionen

VON CORNELIA WYSTRICHOWSKI

Der eine ist Jude, der andere Muslim – doch das hat Noah (Franz Dinda) und Hakim (Omar El-Saeidi) noch nie gestört. Die beiden jungen Berliner sind seit ihrer Kindheit beste Freunde. Bis sich beide in dieselbe Frau verlieben, die aus Bayern stammende Katholikin Charlotte (Christine Eixenberger). „Matze, Kebab und Sauerkraut“ heißt, in Anlehnung an jeweils „typische“ Gerichte, diese Komödie, die das ZDF heute um 20.15 Uhr zeigt. Der Streifen von Timothy Tremper (Drehbuch) und Christoph Schnee (Regie) rund um Glaube, Liebe und Hoffnung ist als Werbung für Toleranz in schwierigen Zeiten gedacht – und er ist zu diesem Zweck ganz bewusst mit allerlei Klischees über Araber, Juden und (Ober-)Bayern gepfeffert.

Andrea Sawatzki und Francis Fulton-Smith spielen Noahs Eltern, Rachel und Daniel Hirschmann. Sie betreiben in Berlin ein hübsches Restaurant – „seit 1923, mit einer kleinen tausendjährigen Unterbrechung“, wie es auf einem Schild heißt – und sind gut mit Hakims palästinensischen Eltern befreundet – die latente Feindschaft zwischen Juden und Arabern ist für sie kein Thema. Aber eine Christin wie Charlotte als potentielle Schwiegertochter, das stellt die Toleranz der beiden Paare auf den Prüfstand. Ihre Buben sollen sich bitteschön brav innerhalb der eigenen Religion verlieben. Trotzdem liefern sich der jüdische Automechaniker Noah und der muslimische Deutschlehrer Hakim einen heftigen Hahnenkampf um das Herz der Christin.

Der Film spart nicht mit Stereotypen über Religionen und Nationalitäten. Diese Erzählweise wirkt politisch nicht ganz korrekt – und genau das war auch die Absicht der Macher: „Lustig ist, wenn man mit Klischees arbeitet und diese überzeichnet oder auch bricht, ohne rassistische Vorurteile zu bedienen“, sagt Produzentin Alice Brauner. Mit dem humorvollen Erzählton ohne erhobenem Zeigefinger könne sie mehr Zuschauer für das Thema gewinnen als mit einem komplizierten Drama. In Berlin habe es jahrelang ein friedliches Miteinander unterschiedlicher Kulturen, Nationalitäten und Religionen gegeben, doch das habe sich in der letzten Zeit leider vehement geändert – und dagegen will sie mit ihrem Film antreten.

Religion sollte in einer Partnerschaft keine Rolle spielen, findet Charlotte-Darstellerin Christine Eixenberger („Marie fängt Feuer“), die auch als Kabarettistin auftritt: „In der Liebe sollte vor allem Liebe eine Rolle spielen. Und das tut sie bei Paaren unterschiedlicher Religionen bestimmt auch.“ Allerdings, weiß die 33-Jährige, machten es Erwartungen der Familie den Liebenden oft schwer: „Denn im Zweifel wünscht man sich als Paar, dass die Familie hinter einem steht. Tut sie das nicht, ist die Liebe deshalb nicht unmöglich. Aber die Abneigung des Umfelds legt einem schon Steine in den Weg.“

„Ich denke, bis zu einem friedlichen Miteinander ist es noch weit hin“, sagt Andrea Sawatzki, die Noahs Mutter verkörpert. Die Dreharbeiten in Berlin hat sie zum Teil als bedrückend erlebt: „In dem Motiv des Restaurants waren große Glasscheiben und da waren Davidsterne draufgeklebt. Und die mussten jeden Abend überklebt oder abgemacht werden, weil die Produktionsfirma schon Drohungen bekommen hatte, dass man diese Scheiben einschlagen würde, wenn man diese Davidsterne nicht verhüllt“, so die Schauspielerin, deren Ehemann Christian Berkel jüdische Wurzeln hat.

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