Die Frankenfastnacht trotzt Corona

von Redaktion

Prunksitzung findet diese Session ohne Politiker statt, dafür mit allen namhaften Narren

VON RUDOLF OGIERMANN

„Das wird die längste Polonaise dieser Welt, weil jeder 1,50 Meter Abstand hält“ – der Refrain von Michl Müllers aktuellem Fastnachtssong gibt die Richtung vor, in die sich die hauptamtlichen Fastnachter in der bevorstehenden Session bewegen. Improvisation und originelle Ideen sind angesagt, um auch in Zeiten von Corona die Höhepunkte der närrischen Zeit unter Einhaltung aller Vorschriften über die Bühne zu bringen. Denn darüber waren sich die Teilnehmer einer gestern pünktlich um 11.11 Uhr eröffneten Videokonferenz unter Federführung des Bayerischen Rundfunks (BR) einig – eine Absage der (Fernseh-)Fastnacht kommt nicht infrage.

„Nie waren die Sendungen notwendiger als heute“, betonte Tassilo Forchheimer, Leiter des Studios Franken, man spüre eine „moralische Verpflichtung“, damit das Bedürfnis der Menschen nach Normalität zu befriedigen. Von Normalität kann bei den Klassikern im Bayerischen Fernsehen allerdings keine Rede sein. das betrifft insbesondere die Prunksitzung „Fastnacht in Franken“, die meistgesehene Sendung des Münchner Senders überhaupt. Sie wird wie bereits kurz berichtet ohne Spitzenpolitiker stattfinden, es werde also dem Publikum diesmal nicht möglich sein, die Reaktionen der Promis auf die Scherze der Künstler zu sehen, wie der zuständige Redakteur Rüdiger Baumann erläuterte.

Nach jetzigem Stand werde man in den Mainfrankensälen in Veitshöchheim mit ihren 600 Plätzen nur rund 100 Personen unterbringen – einschließlich Mitwirkende. Die für den 4. Februar geplante Sendung werde ausnahmsweise nicht live ausgestrahlt, auch auf die üblichen Tanzformationen müssen die Zuschauer voraussichtlich verzichten, „es sei denn, es wird mit nötigem Abstand und auf dem Punkt getanzt“, machte Bernhard Schlereth, künstlerischer Leiter des Fastnachtsverbands Franken, Hoffnung. Immerhin hätten alle namhaften Narren zugesagt, und „alle sprühen vor Ideen“.

Auch „Franken Helau“ (Sendetermin 22. Januar) aus Schweinfurt werde „in abgespeckter Version“ laufen. Bereits Anfang Dezember aufgezeichnet wird die „Närrische Weinprobe“ (8. Januar) aus Würzburg, und zwar in einer größeren Lokalität und Künstler für Künstler nacheinander. Sogar zwei neue Formate soll es diesmal geben. Beim „Närrischen Jahresrückblick“ am 28. Dezember wollen die fränkischen Spaßmacher beweisen, dass es auch im zurückliegenden Jahr Anlass zum Lachen gab, „Auf die Plätze – fertig – Tusch!“ am 6. Januar dagegen soll „Appetit machen“ auf die Session.

Damit das alles wirkt „wie aus einem Guss“, nutze man die Vorteile des Fernsehens, so Studiochef Forchheimer. Die vorgeschriebenen Abstände ließen sich durch entsprechende Kameraperspektiven optisch verkleinern. Ziel, so Forchheimer mit Blick auf die „Fastnacht in Franken“, sei eine „schöne, knackige Sendung“. Und zwar ohne Risiken einzugehen: „Wir wollen kein zweites Heinsberg.“ In der nordrhein-westfälischen Kleinstadt hatte es heuer zu Beginn der Pandemie nach einer Karnevalssitzung einen großen Corona-Ausbruch gegeben.

Michl Müller, der selbsternannte „Dreggsagg“, hat sich übrigens noch keine Gedanken über seinen Auftritt gemacht, wie er gestern verriet. Er lasse das alles auf sich zukommen. Corona werde ein Thema sein, aber sicher nicht das einzige. Eine Idee, die Politiker doch einzubinden in die Veitshöchheimer Show, habe er jedoch: „Vielleicht schalten wir einfach zwischendurch in deren Wohnzimmer.“

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