„Ein kleines Stück Normalität“

von Redaktion

Das ZDF will auch heuer an seiner Tradition des Adventskonzerts aus Dresden festhalten

VON ASTRID KISTNER

„Für viele Menschen ist Kultur nichts, was sie nebenbei konsumieren. Es ist ein Lebensmittel“, sagt Tobias Feilen, Leiter der Redaktion Musik und Theater im ZDF. Gerade jetzt, in Zeiten von Corona sei es die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, der Klassik einen Platz zu geben. Stimmungsvolle Weihnachtskonzerte sollen auf die Zuschauer „wie eine warme Umarmung“ wirken.

Diesem Zweck dient auch das „Adventskonzert“ am kommenden Sonntag um 17.55 Uhr aus der Dresdner Frauenkirche. Ein Sakralbau mit hoher Symbolkraft, der nach seinem Wiederaufbau zum Wahrzeichen der sächsischen Hauptstadt wurde. Der Besuch des klassischen Konzerts am 1. Advent war für Schauspielerin Stephanie Stumph („Der Alte“) und ihre Familie lange Jahre eine liebgewonnene Tradition. „Ich verbinde so viele schöne Erinnerungen und wohlige Gefühle mit diesem Ort“, sagt die 36-jährige Dresdnerin, die durch das diesjährige Konzert als Moderatorin führen wird – allerdings ohne Publikum in der Kirche.

„Das schmerzt uns“, sagt ZDF-Musikchef Feilen. „Natürlich hätten wir uns für die besondere Stimmung dieser Veranstaltung viele Zuhörer vor Ort gewünscht.“ Den Werken von Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Giuseppe Verdi unter der musikalischen Leitung des italienischen Dirigenten Antonello Manacorda können die Zuschauer jetzt lediglich im heimischen Wohnzimmer lauschen. Beeindruckend werde das Konzert zum 1. Advent aber sicher trotzdem, so Feilen, denn mit der stimmgewaltigen Sopranistin Aida Garifullina und dem Tenor Daniel Behle konnten zwei hochkarätige Stars gewonnen werden. Musikerinnen und Musiker der Sächsischen Staatskapelle Dresden und der Kammerchor der Frauenkirche sind weitere Mitwirkende. Doch nicht nur im Gotteshaus selbst erklingt Musik. Das Dresdner Ensemble „Semper Brass“, im Jahr 1994 von Mitgliedern der Staatskapelle gegründet, bereichert das Konzert mit adventlichen und weihnachtlichen Klängen auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche.

Für eine besondere Weihnachtsstimmung soll an Heiligabend übrigens Startenor Jonas Kaufmann sorgen. Am 24. Dezember um 22.30 Uhr meldet sich der Münchner aus der Kirche St. Nikolaus in Oberndorf bei Salzburg, dem Ort, an dem in der Christmette des Jahres 1818 zum ersten Mal „Stille Nacht, heilige Nacht“ erklang. Von dort präsentiert Kaufmann die Weihnachtsklassiker, die er schon als Kind mit seiner Familie gesungen hat. „Wir bringen damit ein kleines Stück Normalität in die Wohnzimmer“, sagt dazu ZDF-Mann Feilen: „In der Hoffnung, dass dieses Corona-Weihnachten im wahrsten Sinne des Wortes einmalig bleibt.“

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