Komische Vögel gab es in den „Tatort“-Folgen aus Weimar einige in den vergangenen sieben Jahren und elf Folgen – die Ermittler Lessing (Christian Ulmen) und Kira Dorn (Nora Tschirner) darf man mit ihren kleinen Macken da getrost einbeziehen. Nicht umsonst stehen sie neben den Kollegen aus Münster für die Krimis mit dem höchsten Humor-Anteil. In der jüngsten Episode „Der feine Geist“ ging es am Freitagabend dann eine ganze Weile sogar um ganz reale (komische) Vögel, um seltene Papageien genauer gesagt, mit denen man offenbar ordentlich Geld machen kann. Nur lustig war es ausgerechnet in diesem Fall irgendwann überhaupt nicht mehr.
Im Gegenteil. Traurig war’s. Und das Finale überraschend – zumindest für all diejenigen Zuschauer, die den völlig überflüssigen Spoiler in verschiedenen Medien nicht gelesen hatten. Mancherorts war schon vor einiger Zeit verraten worden, dass Kommissar Lessing nach diesen 90 Minuten tot sein würde. Und so war es auch.
Wie es weitergeht mit dem „Tatort“ aus Weimar – unklar. Für dieses Jahr sei ohnehin keine neue Folge geplant gewesen, heißt es vom zuständigen MDR, wegen „Corona-bedingter Drehverschiebungen“. Dass Nora Tschirner 2022 allein weitermacht, ist unwahrscheinlich. Eine Möglichkeit wäre, dass der putzige Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) eine größere Rolle bekommt. Schwering-Sohnrey könnte sich sogar eine eigene Reihe mit Lupo im Zentrum vorstellen, verriet er in einem Interview. Dritte – und wahrscheinlichste – Variante ist aber: Christian Ulmen taucht in den kommenden Filmen erneut als „Geist“ auf wie in den letzten Minuten der Folge vom Neujahrstag. Entschieden ist dem Vernehmen nach noch nichts.
Es wäre schade, würde man das Team Weimar auflösen. Nora Tschirner wurde von Folge zu Folge besser und überzeugte vor allem gestern als Frau, die nicht nur um ihren Kollegen trauert, sondern auch um ihren Mann und den Vater ihres Sohnes. Sie agierte mit einem guten Gespür fürs richtige Maß und machte damit vor allem einige unglaubwürdige Wendungen im Drehbuch von Murmel Clausen wett (Regie: Mira Thiel). Etwa, dass sie nach dem Mord an Lessing weiter ermitteln durfte. Befangener und betroffener als Dorn kann man nicht sein.
Zurück zu den Vögeln. Dass sie am Ende doch nur eine Nebenrolle spielten, erwies sich als Glücksfall für den weiteren Verlauf des Krimis. Die Geschichte um das wertvolle Federvieh hätte keinen „Tatort“ getragen. Und Ronald Zehrfeld als „Vogelflüsterer“ mit Sinn fürs Spirituelle – na ja. In seiner Funktion als bulliger Chef einer Security-Firma, die sich mehr als Familie versteht und verstanden werden will und Ex-Knackis die Chance auf ein neues Leben gibt, war er besser. Dass der Krimi zum Schluss eine überraschende Wendung nahm und von Trauer, Rache und Selbstjustiz erzählte, war der Kniff, der dafür sorgte, dass man als Zuschauer bei der Stange blieb.