Weniger Zähne, mehr Biss

von Redaktion

FERNSEHKRITIK Sebastian Pufpaff legte als neuer „TV-total“-Moderator auf Pro Sieben eine starke Premiere hin

VON JÖRG HEINRICH

„TV total“ ohne Stefan Raab – das klingt wie Angela Merkel ohne Raute, Jogi Löw ohne Pony oder wie Boris Becker mit Geld. Geht gar nicht. Oder geht doch? Jedenfalls wurde das Unvorstellbare jetzt wahr. Nach sechs Jahren Pause ist die Pro-Sieben-Show zurück. Raab, von 1999 bis 2015 „Mr. TV total“, zieht nur noch als Produzent die Fäden. Für ihn moderiert jetzt immer mittwochs um 20.15 Uhr Comedian Sebastian Pufpaff, der eine starke Premiere hinlegte und bewies: Er schlägt den Raab!

Der 45-Jährige präsentierte das Fernsehlästern teilweise spitzfindiger, als es dessen Erfinder je geschafft hat. Pufpaffs Motto: weniger Zähne, dafür aber mehr Biss als Raab, der die Show am Ende eher lustlos wegmoderiert hatte. Sein Nachfolger meldete sich aus „der längsten Sommerpause aller Zeiten“ zurück und warf vier Tage nach dem Comeback von „Wetten, dass…?“ erneut die TV-Zeitmaschine an. 13,8 Millionen Zuschauer wie letzten Samstag waren dabei nicht drin, immerhin aber starke 2,86 Millionen.

„Hallo Nürnberg!“ So begrüßte „Onkel Puffi“ aus Köln die Zuschauer – natürlich eine Anspielung auf „Wetten, dass…?“, das er genüsslich durch den Kakao zog. Dass Thomas Gottschalk bei der Landkarten-Wette recht desorientiert durch die Sendung irrte, entschuldigte Pufpaff so: „Als er jung war, hatte Deutschland noch ganz andere Grenzen.“ Und er blickte zurück auf alles, was seit 2016 passiert ist, vor allem „auf die größte Seuche der Menschheitsgeschichte – den Schlagerbooom mit Florian Silbereisen“.

Ein neues Konzept für seine unterhaltsamen Boshaftigkeiten hat sich der zuletzt ideenlose Raab (gottlob) gar nicht erst ausgedacht. Vom „Nippelboard“ mit lustigen Soundschnipseln bis zur Hausband „Heavytones“ wirkte alles so heimelig wie ein gut eingelatschter Filzpantoffel. Sehenswert wurde die Nostalgie-Sause durch den neuen Moderator, der vom selbstverliebten Markus Lanz bis zu „Lieblings-Ministerpräsident“ Markus Söder nichts und niemanden verschonte.

Sebastian Pufpaff watschte die Problemprominenz so lustvoll und gewitzt ab, dass es beinahe Harald-Schmidt-artig wirkte. Selbst beinharte Raab-Fans hatten auf Twitter viel Lob parat. Und vielleicht fällt das Comeback noch viel größer aus. Eine Neuauflage der „Wok-WM“ brachte Pufpaff jedenfalls schon ins Gespräch. Und womöglich folgt ja auch noch „Schlag den Puffi“.

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