Der „Lissabon-Krimi“ aus der portugiesischen Hauptstadt (mit Jürgen Tarrach als Pflichtverteidiger) wurde nach sechs Folgen im letzten Jahr eingestellt. Jetzt kommt – nicht donnerstags, sondern an diesem Samstag – der ARD-Krimi „Lost in Fuseta“. Zu sehen ist der 180-minütige Zweiteiler um 20.15 Uhr und 21.45 Uhr im Ersten.
Der neue Mann in Portugal ist Kommissar, heißt Lost, Leander Lost (Jan Krauter) – und er findet sich in einem kleinen Fischerdorf namens Fuseta wieder, das in der Nähe von Faro an der Algarve liegt. Im Rahmen eines Austauschprogramms von Europol darf der Hamburger Kommissar nun mit seinen neuen Kollegen zusammenarbeiten: Graciana (Eva Meckbach) und Carlos (Daniel Christensen). Die wundern sich über den „Alemao“, denn der Deutsche trägt trotz Sommerhitze stets einen schwarzen Anzug samt Krawatte, weiß alles ganz genau (und sogar besser) und verfügt über ein fotografisches Gedächtnis. Was wiederum daran liegt, dass er ein Asperger-Autist ist, der sich auf seine Strukturen und sein angelerntes Verhalten verlassen will, dem jedoch Small Talk und jeglicher Wortwitz völlig fremd sind – und lügen kann er schon mal gleich gar nicht.
Das alles versteht nicht jeder. Gracianas Schwester Soraia (Filipa Areosa) jedoch schon; sie fühlt sich zu Leander hingezogen. Der muss sich jedoch um einen Fall kümmern, bei dem die Leiche eines Privatdetektivs am Strand gefunden wird, was schließlich zu einem abgebrannten Haus und einen Skandal um illegal abgefülltes Trinkwasser führt. Außerdem bekommen es die drei völlig unterschiedlichen Ermittler in Fuseta mit merkwürdigen internen Dienstanweisungen, einem gockelhaften Kollegen und dem undurchsichtigen Polizeichef zu tun.
Kommissar Lost wird von Jan Krauter („Solo für Weiss“) großartig gespielt. Der 38-Jährige beherrscht die oft steife Körpersprache perfekt. „Leander Lost ist ein doppelter Außenseiter: Zum einen kommt er als gefühlsreduzierter Deutscher an die Algarve – und dann hat er auch noch Asperger“, erklärt Krauter, der seine Sache sehr gut macht und die exzellent gezeichnete Figur niemals der Lächerlichkeit preisgibt.
Regisseur Florian Baxmeyer hat einen fein austarierten und berührenden Film inszeniert, mit viel Humor, Emotionen, Elementen von Fantasy und Western – und einem überraschenden Ende. Das raffinierte Drehbuch stammt von Holger Karsten Schmidt („Die Toten von Marnow“), der unter dem Pseudonym Gil Ribeiro die gleichnamige Buchvorlage und vier weitere Bestseller um Leander Lost veröffentlicht hat. Insofern könnte es ein filmisches Wiedersehen geben. Nur bitte nicht als Reihe im Donnerstags-Krimi, sondern in loser Folge am Samstag. Auf dass der sehr erstaunliche Leander Lost im TV-Krimi-Einerlei nicht untergehen möge.