Müdes aus Münster

von Redaktion

Ausgerechnet der Jubiläums-Fall mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers kann nicht überzeugen

VON KATHARINA ZECKAU

Mit den Münsteraner „Tatorten“ verhält es sich ja im Allgemeinen so: Entweder sie sind so geistreich, experimentierfreudig und präzise gestaltet, dass man sie guten Gewissens als das bezeichnen kann, wofür sich Professor Boerne ohnehin hält: brillant. Oder sie dümpeln semi-spannend und an Sparwitzchen reich in seichten Gewässern dahin. Jenseits dieser beiden Pole gibt es wenig bei den zentralen Humorbeauftragten unter den deutschen „Tatort“-Kommissaren.

Der aktuelle 42. Fall im 20. Jahr des „Tatorts“ aus der westfälischen Universitätsstadt gehört leider zur zweiten Variante: „Ein Freund, ein guter Freund“, den das Erste am Sonntag um 20.15 ausstrahlt, erzählt eine recht unausgegorene und zudem holprig umgesetzte Story.

Es beginnt mit dem Mord an dem jungen Anwalt Nikolas Weber. Alles deutet darauf hin, dass dessen wichtigster Klient, ein stadtbekannter Mafioso, dahinter steckt. Doch dann wird der gut betuchte Jurist Friedhelm Fabian (Jan Georg Schütte) entführt, ein enger Jugendfreund von Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers).

Gerade hatte man noch in großer Runde Abschied gefeiert, denn Friedhelm und seine Frau Veronika (Proschat Madani) zieht es nach Guatemala. Veronika will nun die Entführung samt Lösegeldforderung ohne Polizei regeln – doch Kommissar Thiel (Axel Prahl) lässt sich nicht so einfach abschütteln. Zumal er herausgefunden hat, dass es eine Verbindung zwischen Weber und Fabian gibt: Fabian hatte einst darüber zu entscheiden, ob Webers Kanzlei ihre Lizenz behalten darf.

Nun fordern Fabians Entführer eine bestimmte Festplatte als Lösegeld. Und welche Rolle spielt eigentlich Erik Nowak (Hendrik Heutmann), der Kollege des ermordeten Anwalts, der gerade aus einer Burn-out-Klinik zurückgekehrt ist?

„Ein Freund, ein guter Freund“ ist ein Fall, der dicht dran ist am privaten Professor Boerne, der hier seiner einstigen und Immer-noch-Liebe Veronika so nah wie nie kommen darf. Leider aber schlägt das Drehbuch von Benjamin Hessler, der auch schon die Vorlage zu dem eher mittelmäßigen Münster-„Tatort: Es lebe der König!“ von 2020 schrieb, aus dieser verheißungsvollen Konstellation kaum Funken. So geht es allgemein seltsam lahm und lustlos zu.

Insgesamt ist die Story um eine Fehde unter Anwälten, garniert mit dem – szenenbildnerisch durchaus überzeugend gestalteten – Pomp einer lokalen Mafiosi-Familie, dem Mode-Thema Kryptowährung und ein paar Schmunzeleinheiten rund um die Goldfische „Goldi“ und „Foxi“, wenig überzeugend geraten.

Was auch an der oberflächlichen Figurenzeichnung liegt: Was etwa Friedhelm und Veronika antreibt, bleibt nebulös. Derlei Defizite werden aber eben auch nicht durch geistreiche Dialoge wettgemacht. Die bewegen sich hier auf einem für Münsteraner Verhältnisse recht bescheidenen Niveau, die Verwendung des hübschen Wörtchens „fraudulös“ (für: unrechtmäßig, betrügerisch) ist eins der seltenen Glanzlichter auf der sprachlichen Ebene.

Die Regie von Janis Rebecca Rattenni wiederum ist zu vage und wenig zupackend, um dem schwachen Buch etwas entgegensetzen zu können. So verleiht etwa die häufige Verwendung von Split Screens, also Bildschirmaufteilung, der Erzählung keinen Mehrwert, sondern wirkt eher wie die Kaschierung eines Mangels an sonstigen Regieeinfällen.

Auch in Sachen Stringenz schwächelt diese ungenau erzählte Kriminalgeschichte, durch die sich das bewährte Schauspiel-Team aus Jan Josef Liefers, Axel Prahl, Mechthild Großmann, ChrisTine Urspruch und Björn Meyer denn auch weitgehend unmotiviert durchwitzelt.

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