„Sie sehen mich heiter-bewegt“

von Redaktion

INTERVIEW Frank Plasberg über seinen Abschied vom TV und die Vorfreude auf das Nichtstun

Mehr als 20 Jahre hat Frank Plasberg Hart aber fair in der ARD moderiert, Politiker zum Schwitzen, „normale“ Menschen zum Reden und die Zuschauer zum Nachdenken gebracht. Damit ist nun Schluss. Am Montag begrüßt er Gäste und Publikum zum letzten Mal. Ein Gespräch über die Gründe für seinen Abschied, den richtigen Zeitpunkt und das Abenteuer Nichtstun.

„Hart und voll unfair“ war unsere Überschrift, als Sie bekannt gaben, dass Sie aufhören. Das war damals die Stimmung in der Redaktionskonferenz. Welche Reaktionen haben Sie bekommen? Die Nachricht war eine Überraschung.

Ja, es war für viele eine Überraschung – und das ist doch das Beste, was man sich wünschen kann: dass die Überraschung gelingt.

War das bei Ihnen ein langer Entscheidungsprozess oder sind Sie morgens aufgewacht und haben gedacht: Jetzt ist Schluss?

Nein, wir haben im Oktober vergangenen Jahres angefangen, mit dem WDR, unserem Auftraggeber, zu reden. Den Plan aufzuhören hatte ich also schon länger. Ich wollte den richtigen Zeitpunkt finden. Ich habe in meinem Leben ein paar richtige Entscheidungen getroffen, aber meistens zu spät und dann aus einem Frust heraus. Sodass es eher ein Befreiungsschlag war. Ich wollte einmal etwas mit Plan und aus einer ehrlichen Lust heraus entscheiden.

Dass es der für Sie richtige Zeitpunkt ist, ist ein guter Grund. Aber das war es doch nicht nur.

Nein, das war es nicht nur. Ich habe mit 16 angefangen, bei der Bergischen Morgenpost in Wermelskirchen zu arbeiten. Ich wollte Journalist werden. Nicht, weil ich die Welt verändern wollte, sondern weil ich neugierig war und weil ich etwas gesucht habe, wo ich wirken konnte.

Was heißt das für Sie: wirken können?

Na ja. Ich war immer der Jüngste in der Klasse, hatte nicht mal ein Mofa, als die anderen schon mit dem Motorrad durch die Gegend fuhren. Ich war schlecht in Sport. Aber Menschen wollen gesehen werden. Die einen weniger, die anderen mehr. Für mich war das jedenfalls ein Motiv – und als Lokalreporter wirst du gesehen.

Wenn man zu den wichtigsten Talkern des Landes gehört, gibt es vermutlich auch keine Herausforderung mehr, die einen beruflich noch reizen könnte, oder?

Was sollte das sein? Eine neue Sendung? Format-Entwicklung? Nee. Ich liebe Herausforderungen, aber meine ist jetzt: nichts zu machen.

Haben Sie eine Ahnung?

Ich orientiere mich da an meinem Sohn, der ist jetzt elf. Wenn man dem das iPad wegnimmt oder die Playstation, fängt er mit seinen Jungs an, Verstecken zu spielen. Die holen das Lego noch mal raus und haben einen Riesenspaß. Aus einer ersten Langeweile entsteht irgendwann Kreativität. Und mit der Einstellung schaue ich jetzt auf mich. Das kann natürlich auch schiefgehen und in den Absturz führen.

Seit 2001 sind Sie als Talkmaster im TV. Wie haben Sie sich in der Zeit verändert?

Weniger Haare ist als Antwort bisschen billig, oder?

Bisschen.

Ich will es nicht unbedingt Altersmilde nennen. Aber im Grunde ist es schon ein bisschen das.

In Bezug worauf?

Auf Politiker. Wenn ich mir anschaue, welche Opfer Menschen bringen, die in die Politik gehen. Sie engagieren sich und haben in Zeiten wie diesen dann doch ständig die Torte im Gesicht. Die Familien werden zum Teil angegangen. Die Bezahlung ist okay, aber in der Wirtschaft könnten viele mehr verdienen. Karl Lauterbach kann ohne Sicherheitspersonal nicht mal mehr zum Bäcker. Und dann müssen sich diese Menschen ständig anhören, was sie für Idioten und, Entschuldigung, Arschlöcher sind. Anstatt dass sie mal ein Danke kriegen, dass sie den Job machen. Kurzum: Mein Verständnis für Politiker ist in den Jahren gewachsen. Und diese Haltung wirkt sich manchmal in der Sendung aus. Da will ich einfach nicht mehr jeden billigen Punkt machen. Weil man aber als Journalist auch nicht zu verständnisvoll sein sollte, ist es auch in dieser Hinsicht ein guter Zeitpunkt, aufzuhören.

Hat Ihre Frau Anne Gesthuysen eigentlich Angst, dass Sie ihr auf den Geist gehen? Davor fürchten sich ja viele Frauen, deren Männer frisch in Rente sind.

Pappa ante portas?

Ja genau, Plasberg ante portas!

Anders als viele Menschen glaubt meine Frau mir zumindest schon mal, dass ich das ernst meine mit dem „Abenteuer Nichts“. Die einzige Sorge, die sie hat, ist, dass ich anfange, an meinen Kochkünsten zu arbeiten, und sie alles probieren muss und entsprechend gemästet wird.

Das Gespräch führte Stefanie Thyssen.

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