Die Bilder lassen auch fast vier Jahre danach noch erschaudern. Am 15. April 2019 brach im Zuge von Renovierungsarbeiten ein Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame aus. Das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt, Touristenmagnet und Architekturwunder der Gotik, drohte ein Raub der Flammen zu werden. Die Aufnahmen vom Einsturz des Vierungsturms gingen um die Welt. Mit den Bildern von dem Großfeuer beginnen auch die drei Teile der Dokumentation von Vincent Amouroux, die der deutsch-französische Sender Arte am Samstag ab 20.15 Uhr zeigt. Doch die Erinnerung an die Katastrophe ist lediglich Ausgangspunkt für eine opulente Reportage über den Wiederaufbau der Kathedrale, die dem Zuschauer spektakuläre Einblicke in „Notre-Dame, die Jahrhundertbaustelle“ bietet.
Die Drehbedingungen seien extrem gewesen, erinnert sich Amouroux. Der Brand hatte das Bleidach der Kirche zum Schmelzen gebracht. Giftiger Feinstaub legte sich auf das Gemäuer. Wie die Wissenschaftler musste auch die Filmcrew Schutzanzüge und Atemmasken anlegen. „Es war wie eine Mars-Expedition“, erklärt der Regisseur im Zuge des Films. Zunächst sei man mit überschaubarem Equipment auf der Baustelle erschienen. Doch schnell habe sich herausgestellt, dass man aufrüsten musste, um die enormen Dimensionen des Baus und der Herausforderungen bei dessen Rekonstruktion einzufangen. Mit Mini-Drohnen gelangen Amouroux und seinem Team Innenansichten der Kathedrale, wie sie sich zuletzt wohl den Erbauern von Notre-Dame boten. Gleichzeitig schafft es der Dokumentarfilmer, seinen Zuschauerinnen und Zuschauern das Zusammenspiel zwischen Forschung und Technik vor Augen zu führen. „Wir wollten zu einem Spaziergang einladen“, sagt Amouroux – und das ist ihm mehr als gelungen, auch wenn er längst nicht alle Aspekte der Jahrhundertbaustelle vorstellen kann.