An einer Stelle kommt der Satz, der eigentlich alles sagt: „Ich will ganz normal leben.“ Felix (Benjamin Raue) spricht ihn aus mit einer Mischung aus Verzweiflung, Trotz und Nachdruck. Dass das gar nicht so einfach ist für diesen jungen Mann und seine Freundin Emma (Juliane Siebecke), die beide mit Trisomie 21 geboren wurden, erzählt der Film „Herzstolpern“, den das ZDF in zwei Teilen am Sonntag und Montag zeigt. Anlass ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.
Ziel sei es, dem Publikum eine „zutiefst berührende und gleichzeitig unterhaltsame“ Geschichte zu präsentieren, heißt es vom Sender. Dass dabei an bestimmten Stellen Zusammenhänge vereinfacht und Abläufe gezeigt würden, wie sie im echten Leben von Menschen mit Trisomie 21 so vielleicht nicht stattfinden würden, sei dem filmischen Genre geschuldet.
„Herzstolpern“ erzählt ohne Schwere, aber mit Tiefe, humorvoll und mit großer Ernsthaftigkeit die Geschichte von Felix und Emma, die sich bei einem Theaterprojekt kennenlernen, auf der Stelle ineinander verliebt sind und dann gemeinsam auf Reisen gehen. Ohne das Wissen ihrer überbesorgten Eltern machen sie sich eines Nachts auf den Weg nach Italien, wo Emmas Großvater lebt, zu dem sie nie Kontakt hatte. Der Trip, der geprägt ist von dem so unendlich großen Wunsch der beiden nach einem „normalen“ Leben, offenbart dann aber auch die Schwierigkeiten, mit denen vor allem Felix leben muss. Er hat Probleme mit dem Herzen. Seine Kräfte lassen nach. Und so kümmert sich Emma um alles, die ohnehin die patentere und unerschrockenere von beiden ist, eine echte Lebenskünstlerin, die plant, macht, tut, sogar ein Hotelzimmer organisiert (Room-Service inklusive!) und dafür sorgt, dass sie und Felix ihren Eltern, die sich längst an die Fersen der beiden geheftet haben, immer einen Schritt voraus sind.
Wie die Geschichte ausgeht, sei an dieser Stelle natürlich nicht verraten. So oder so ist klar: „Herzstolpern“ trifft den Zuschauer mitten ins Herz. Die Geschichte über Liebe und Leidenschaft, Mut und Machtlosigkeit, Abenteuerlust und Alltagsfrust hallt nach. Man hätte sie vermutlich auch in einen 90-Minüter packen und damit ein paar Längen verhindern können. Man kann genau das aber auch als Botschaft sehen, sich auf das Tempo von Felix und Emma einlassen und sich Zeit nehmen für einen besonderen Film, der von zwei hinreißenden Hauptdarstellern lebt, die es mit den Schauspiel-Stars Sebastian Ströbel, der Felix‘ Vater richtig stark spielt, und Anna Maria Sturm, die leider unter ihren Möglichkeiten bleibt, locker aufnehmen können.
Benjamin Raue hat nach seinem ersten Filmdreh übrigens richtig Feuer gefangen. Der Berliner möchte jetzt eine Profi-Ausbildung als Schauspieler machen und weitere Filme und Serien drehen, sagt er. „Ich fühle mich wohl, vor der Kamera zu stehen.“ Auf die Frage, was er nach den Dreharbeiten am meisten vermisst habe, antwortet er: „Sebastian (Ströbel, Anm. d. Red.), meinen Coach, die ganze Crew und das leckere Essen.“ So soll es sein.
„Herzstolpern“
läuft am Sonntag und Montag, jeweils um
20.15 Uhr, im ZDF und ist in der Mediathek abrufbar.