„Camelot“ nannten viele die nur knapp zweijährige Regierungszeit des demokratischen US-Präsidenten John F. Kennedy (1917-1963) – nach dem blühenden Hof des Sagenkönigs Artus mit seiner ritterlichen Tafelrunde. Der charismatische JFK, der am Ende einem Attentat zum Opfer fiel, war neben seiner stilvollen First Lady Jacqueline (1929-1994) für mehr Bürgerrechte, aber auch für mehr Kunst und Kultur im Land eingetreten. Wie sein jüngerer Bruder Robert, Justizminister und Senator, der 1968 ebenfalls ermordet wurde, ist Kennedy bis heute unvergessen. Dabei wird oft übersehen, dass die beiden sieben weitere Geschwister hatten – und mit ihnen ein einzigartiges Clan-Beziehungsgeflecht bildeten.
Die Arte-Dokumentation „Vier Brüder, fünf Schwestern. Die Kennedys“ von André Schäfer und Anna Steuber klärt an diesem Sonntag um 22.05 Uhr darüber auf. „Jeder hat das Land verändert“, heißt es im 90-minütigen Film mit zahlreichen Archivaufnahmen. Die attraktiven Geschwister werden darin von Zeitzeugen, Historikern und Journalisten als willensstarke, von der Disziplin ihrer Eltern geformte Menschen vorgestellt.
Ihr Vater Joseph P. (1888-1969) war ein irischstämmiger Katholik, der 1914 Rose Fitzgerald, die Tochter des Bürgermeisters von Boston (Massachusetts), heiratete. Der schwerreiche Geschäftsmann konzentrierte seinen Ehrgeiz auf die Kinder. „Er ließ sie wie Lachse aufwärts schwimmen in Richtung Regierung“, heißt es in der Doku. Bei diesem Unterfangen vollbringt der Nachwuchs Glanzleistungen – muss aber auch schwerstes Unglück erfahren. Der Erstgeborene Joseph P. jun. (1915-1944) stürzte als 29-jähriger Navy-Pilot kurz vor Kriegsende über der Nordsee ab. Bruder Edward (1932-2009) kam bei einem ominösen Autounfall ums Leben. Das wohl tragischste Frauenschicksal der neun erlitt Rosemary: Nach einer vom Vater veranlassten neurochirurgischen Operation im Alter von 23 Jahren blieb sie für immer ein Pflegefall. Die spektakulär charmante Kathleen, die sich mit dem britischen Hochadel verbandelte, starb 1948 bei einem Flugzeugabsturz.
Doch die Kennedys gaben niemals auf – diese Botschaft vermittelt die Doku wohl am deutlichsten. So rief Eunice Kennedy-Shriver (1921-2009, Ex-Schwiegermutter von Arnold Schwarzenegger) 1968 die weltgrößte Veranstaltung für Behindertensport, die Special Olympics, ins Leben.
Und Patricia Kennedy Lawford (1924-2006) vermittelte ihrer Familie immerhin Kontakte zum Show-Star Frank Sinatra (1915-1998), der für JFK in den Wahlkampf zog – unter anderem mit dem Schlager „High Hopes“.
Jean Kennedy Smith schließlich, die 2020 als Letzte der Geschwister mit 92 Jahren starb, wurde Botschafterin in Irland. Sie gründete eine Non-Profit-Organisation, um die künstlerischen Talente behinderter Kinder zu fördern.