Scherzen trotz Schmerzen

von Redaktion

Michael Mittermeier erzählt im NDR von den Totgeburten seiner Frau

VON KATJA KRAFT

Den größten Komödianten war das Herz privat oft schwer. Heinz Erhardt (1909-1979) beispielsweise hat mit seinem Gedicht „Depressionen“ einmal die düsteren Bereiche seiner Seelenlandschaft offengelegt: „Gestern war ich noch so fröhlich / heute hat es sich gegeben / Gestern schlug ich Purzelbäume / heute will ich nicht mehr leben. / Solch ein Zustand ist entsetzlich / mich und meine Umwelt quäl’ ich / doch er dauert nicht sehr lange: / morgen bin ich wieder fröhlich!“ Dass man sich aus tiefer Traurigkeit mit Humor herausretten kann, weiß auch Michael Mittermeier. In seinem aktuellen Bühnenprogramm „#13“ beweist er, dass seine Comedy viel mehr ist als zweckfreie Unterhaltung. Für ihn ist sie Waffe und Therapie zugleich. Er arbeitet in „#13“ auch das größte Drama seines Lebens auf: Vier Totgeburten hatte seine Frau Gudrun, mit der er seit 1998 verheiratet ist, in den vergangenen Jahren. Am Freitagabend sprach der 57-Jährige offen darüber in der „NDR Talk Show“.

Seit 2005 habe er die verstorbenen Kinder gedanklich jeden Tag dabei, auch auf der Bühne. „Es hat mir geholfen, mit Humor die Dunkelheit zu vertreiben. Das ist mein Ventil. Ich habe es dennoch nie öffentlich angesprochen. Aber ich wollte es jetzt tun, denn Humor und Tragik liegen so nah beieinander“, betonte Mittermeier. Eine Tochter haben er und seine Frau: die 14-jährige Lilly, der er kürzlich auf Instagram eine Liebeserklärung machte: „Glücklichster Papa von der besten Tochter der Welt.“

Doch geht das wirklich: tote Kinder als Thema für ein Comedy-Programm? Diese Einwände höre er häufig, sagte Mittermeier im NDR. Ihnen hält er entgegen: „Viele Betroffene sprechen ja nicht darüber, denn es ist ein schwieriges Thema. Ich kann nun darüber reden, weil es im Programm ist. Und die Leute gehen mit mir den Weg zusammen.“

Der Titel „#13“ spielt auf den Aberglauben um die Zahl 13 an. Angeblich solle die ja Unglück bringen – „aber Unglück ist doch nur die Vorstufe von Humor“, findet Mittermeier. Sein Programm sei für alle, die auch gerne mal im Flugzeug in Reihe 13 sitzen „oder im Hotel im 13. Stock die Minibar aus dem Fenster werfen“. Für ihn und seine Frau ist es sein persönlichstes bisher. Und das stärkste. „Meine Frau hat mich danach in den Arm genommen und mir gesagt, es wäre das beste Programm, was ich je gemacht habe.“

Michael Mittermeier live

In München präsentiert Mittermeier „#13“ das nächste Mal am 15. Mai 2024 im Circus Krone. Karten unter eulenspiegel-concerts.de und telefonisch unter 089 / 34 49 74.

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