Die lebenslustige 16-jährige Schülerin Moira McKendry (Lauryn Canny) wird nach einer Schulparty ermordet aufgefunden. Moiras ehemals beste Freundin, die introvertierte Hanna (Tara Cush), war anscheinend die Letzte, die Moira lebend gesehen hat. Doch Hanna kann sich nicht mehr erinnern. Kriminalpsychologin Cathrin Blake (Désirée Nosbusch) gewinnt Hannas Vertrauen. In der Arbeit mit der traumatisierten jungen Frau kommt Cathrin einem Verbrechen auf die Spur, das lange vor Moiras Tod stattgefunden hat. „Blackout“ heißt der erste von zwei neuen Fällen für Nosbusch (58) im „Irland-Krimi“, zu sehen morgen um 20.15 Uhr im Ersten. Matthias Tiefenbacher führte Regie.
Frau Nosbusch, in „Blackout“ bekommt es Ihre Figur mit einer traumatisierten Jugendlichen zu tun. Es wird sehr emotional, auch für die Psychologin. Ging Ihnen das beim Spielen an die Substanz?
„An die Substanz“ ist ein zu großes Wort dafür. Ich bin Schauspielerin, und Cathrin Blake ist eine Rolle, die mit jedem Fall der Reihe neue und andere Facetten bekommt, auch emotionale. Aber genau deshalb muss ich meine Substanz sichern, um vor der Kamera nicht auf einmal Désirée Nosbusch zu werden, sondern Cathrin Blake zu bleiben. Was aber nicht heißt, dass die Geschichte mir nicht nahe geht. Und wenn ich das als Schauspielerin mit ansehe und erlebe, dass Eltern kein Ohr für ihre Kinder haben, dann geht mir das nahe. Ich bin Mutter zweier Kinder, ich kenne viele dieser Muttersorgen und Ängste.
Cathrin Blake hatte in den letzten Jahren einige Schicksalsschläge zu verkraften. Spielen Sie die Figur heute anders als zu Anfang? Was wünschen Sie sich für Cathrin?
Ja, ganz sicher, und ich hoffe, das spürt man. Für Cathrin Blake war ihre Arbeit am Anfang der Reihe ja erst mal eine schwierige Rückkehr ins Leben. Sie trat auf der Stelle, sie zweifelte, litt und suchte ihren Platz. Das hat sich aber nun entwickelt, sie ist aus diesem Loch wieder herausgekommen, sie kann lachen, sie hat ihr Alkoholproblem vorerst im Griff, sie ist Großmutter geworden und hat auch selbst versucht, sich wieder einer Beziehung zu öffnen. Für die Figur und für mich als Schauspielerin ist das wunderbar, weil es mir mehr Möglichkeiten bietet. Und wenn Sie fragen, was ich der Figur wünsche, ist es genau das – dass sie sich weiterentwickelt. Denn ich glaube, dass Cathrin Blake noch viele überraschen kann.
Sie sind Schauspielerin und Regisseurin, zuletzt bei Ihrem Langfilmdebüt „Poison“. Haben Sie Matthias Tiefenbacher bei seiner Arbeit auch als Kollegin über die Schulter geschaut?
Nein, überhaupt nicht. Ich halte das sehr auseinander und finde, das muss auch so sein. In dem Moment, in dem ich mich mit meiner Rolle einem Regisseur oder einer Regisseurin sozusagen ausliefere, muss ich ihm oder ihr zu hundert Prozent vertrauen, weil ich sonst nicht frei sein und spielen kann. Ich schalte da jeden anderen Blick auf den Dreh ab, was auch nur fair gegenüber den Kolleginnen und Kollegen ist, in deren Arbeit ich mich da nicht einmische.
Einige Kolleginnen sind der Meinung, dass es zu wenige gute Rollen für Frauen ab Mitte 40 gibt. Teilen Sie diese Haltung?
Ja, der Meinung bin ich auch. Ich selbst habe ja das Glück, in meinen Rollen ältere Frauen zu spielen und solche Figuren auch entwickeln zu können. Aber dieses Glück haben viele andere nicht, da ist das Alter dann doch immer noch ein Hindernis. Bei Männern dagegen nicht, da wird ein 60-Jähriger auch von einem 60-Jährigen gespielt, seine Frau ist dann aber trotzdem um die 30. Aber ich spüre auch, dass sich da etwas ändert, es gibt mittlerweile mehr Figuren und Rollen die dem wahren Leben entsprechen. Aber der Weg ist noch weit.
Das Gespräch führte Dieter Paul Adler.