Tanzen, trinken, Spaß haben? Nicht in Cottbus, jedenfalls nicht in diesem „Polizeiruf 110“ (ARD), bei dem der Karneval – die Stadt in der Lausitz ist eine Hochburg des närrischen Treibens in Ostdeutschland – den Kriminalfall einrahmen soll. Doch anders als vor drei Jahren im Schwarzwald-„Tatort“ („Ich hab im Traum geweinet“) gibt es keine echte Bindung des Geschehens an das handelnde Personal, da hilft es auch nichts, dass immer öfter ausgelassen feiernde Menschen die Bilder bevölkern (Kamera: Christoph Krauss).
Es ist ein kompliziertes und leider ziemlich konstruiertes Beziehungsgeflecht auf engstem Raum, das die Drehbuchautoren Axel Hildebrand und Mike Bäuml in „Kopflos in Cottbus“ geknüpft haben. Konflikte, wohin man schaut – der Vater gegen die Kinder, der Karnevalist gegen die Stadtverwaltung, Geschäftsleute gegeneinander im Kampf um das Geld, das sich mit dem organisierten Frohsinn verdienen lässt. Und dazwischen ein Kommissariatsleiter (Andreas Döhler), dem man anmerkt, dass er mehr als die Polizei erlaubt in den Fall involviert ist.
Doch als Zuschauer fühlt man sich wie jemand, der Mineralwasser trinkt inmitten einer Menge, die fröhlich Bier und Schnaps konsumiert – man wird nicht warm mit den Figuren, die blass und eindimensional bleiben (Regie: Christoph Schnee). Die Handlung zerfällt in viele farblose Dialoge, dazwischen wird reichlich umhergefahren, müssen zufällig aufgetauchte Handyvideos und ein wahres Wunderwerk der Computertechnik, das völlig Verbranntes wieder sichtbar macht, die Handlung voranbringen.
Auch der Showdown ist abgeschmackt. Fliehende Mörder mit aus der Sporttasche regnenden Geldscheinen, die klassische Kränkung („Er hat gesagt, ich sei ein Nichtsnutz!“) als Motiv für die Bluttat – wie oft hat man so etwas schon gesehen? So bleiben als Lichtblick die Ermittler, der charismatische André Kaczmarczyk als Vincent Ross und Gisa Flake als seine Kollegin Alexandra Luschke. Überhaupt sind die Polizisten, deutsche wie polnische, in diesem Krimi die vielschichtigeren Figuren. Beim Rest kommt keine Stimmung auf.