Annes starker Abgang

von Redaktion

TV-Journalistin Will verabschiedet sich mit überzeugender Runde von 16 Jahren Polittalk im Ersten

VON STEFANIE THYSSEN

Mehr als drei Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer waren dabei, als sich Anne Will am Sonntagabend zum letzten Mal mit ihrer Talkshow im Ersten meldete. Das waren etwas weniger als sonst, was durchaus überraschend ist angesichts der Tatsache, dass ihr Abschied das Ende einer Ära markiert. 16 Jahre lang hat die Kölnerin mit ihren Gästen das politische Geschehen in Deutschland und der Welt diskutiert. Man habe „dann doch etliche Stunden miteinander verbracht“, sagte eine leicht angefasste Moderatorin am Schluss der Sendung.

Ihr sei es „eine Freude“ gewesen, so Will weiter. Sie bedankte sich bei ihrem Team, „hochprofessionellen, stresserprobten und tollen Kolleginnen und Kollegen“. Und wünschte ihrer Nachfolgerin Caren Miosga alles Gute für den Start im Januar. „Seien Sie nett zu ihr, sie ist es auch.“

Genauso hatte Miosga (54) unlängst auch ihre Nachfolgerin bei den Tagesthemen, Jessy Wellmer, angekündigt. Im selben Atemzug kündigte Will an, dass sie die Zusammenarbeit mit dem NDR und der ARD fortsetzen werde. Was genau sie machen wird, wurde noch nicht bekannt. Allerdings gab ihr Sonntagstalk-Finale eine Idee, wie sie in Zukunft arbeiten möchte. Denn da wurde nicht parteipolitisch gestritten, man verhakte sich nicht im Klein-Klein und fiel sich nicht ins Wort. Die Kraft dieser letzten Sendung, die einem politischen Salon glich, lag in ihrer Ruhe. Das große Ganze kam auf den Tisch. „Die Welt in Unordnung – Ist Deutschland den Herausforderungen gewachsen?“ lautete das Thema und man kam über den Ukraine-Krieg und den Nahost-Konflikt am Ende nur kurz auf die aktuellen inländischen Themen: Schuldenbremse, Bürgergeld, wie lange hält die Ampel noch? Vizekanzler Robert Habeck war zu Gast (er dankte Will für „16 Jahre Aufklärung“, die „stilprägend“ gewesen seien). Außerdem Raphael Gross (Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum), die Politikwissenschaftlerin Florence Gaub sowie der Autor Navid Kermani, der zum ersten Mal überhaupt in einer Talkshow saß und das als „Respektbekundung“ Anne Will gegenüber verstanden wissen wollte. Sie alle diskutierten angenehm unaufgeregt, empathisch und doch präzise – und würden sich gewiss auch in Zukunft gern von Anne Will befragen lassen.

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