Im Kart begann die Karriere

von Redaktion

ARD-Doku setzt dem Ex-Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher ein Denkmal

VON MARTIN WEBER

Es begann mit einer Handgreiflichkeit und einer handfesten Lüge. Weil der Formel-1-Fahrer Bertrand Gachot im Jahr 1991 in London bei einem Streit einem Taxifahrer Reizgas ins Gesicht sprühte und für kurze Zeit in U-Haft kam, wurde Nachwuchsfahrer Michael Schumacher vom Rennstall Jordan als Ersatzmann für ein Rennen im belgischen Spa verpflichtet. Auf die Frage von Teamchef Eddie Jordan, ob er die schwierige Rennstrecke denn kenne, antwortete der damals 22 Jahre alte Schumacher mit Ja – eine Notlüge, denn der aus dem nordrhein-westfälischen Kerpen stammende Jungpilot war noch nie in Spa ein Rennen gefahren.

Um das Manko wettzumachen, schnappte sich Schumacher ein Fahrrad, radelte die Strecke ab und raste dann im Training derart schnell über den Kurs, dass sich die Verantwortlichen in der Formel 1 die Augen rieben. Es war der Beginn einer sagenhaften Karriere, die in der packenden Miniserie „Being Michael Schumacher“, zu sehen ab heute in der ARD-Mediathek, noch einmal aufgerollt wird. Mit dem Fünfteiler setzt die ARD zehn Jahre nach Schumachers tragischem Unfall einem der erfolgreichsten deutschen Sportler aller Zeiten ein Denkmal.

Der spätere siebenmalige Formel-1-Weltmeister kam schon früh mit dem Rennsport in Berührung. Auf der heimischen Kartbahn zog er schon als Dreikäsehoch seine Runden, wie Bruder Ralf – ebenfalls einst Formel-1-Pilot – in der gut gemachten Produktion erzählt. Mit vielen Fotos und Filmchen aus dem Privatarchiv von Familie und Freunden sind auch die ersten Jahre des Rennfahrers Michael Schumacher hervorragend dokumentiert, ein wahrer Schatz für die Macher des Fünfteilers.

Die Folgen zwei bis vier drehen sich dann um die große Karriere „Schumis“ in der Formel 1. Nur ein Jahr nach seinem Debüt in Spa gewann der Ausnahmefahrer im Jahr 1992 sein erstes Rennen in der Königsklasse und 1994 die erste Weltmeisterschaft, der bis 2004 sechs weitere folgen sollten. Mit spektakulären Rennszenen und Interviews mit Weggefährten und Konkurrenten Schumachers sowie Experten, die ihn über viele Jahre beobachteten, entwirft die Miniserie das Bild eines ehrgeizigen Sportlers, der seinen Gegnern keine Geschenke machte. Er sei auf der Strecke „ein rücksichtsloser Killer im Rennanzug“ gewesen, formuliert ein Journalist arg dramatisch, betont aber zugleich, dass Schumacher privat ganz anders war.

Eine Einschätzung, die auch andere bestätigen, die ihn gut kannten. Abseits der Rennstrecke sei Schumacher ein freundlicher und immer zu Späßen aufgelegter Zeitgenosse gewesen, berichten sie. Die fünfte und letzte Folge der Dokuserie dreht sich schließlich um den tragischen Skiunfall am 29. Dezember 2013, bei dem sich Schumacher in den französischen Alpen schwere Kopfverletzungen zuzog. Seitdem wird er von seiner Familie sorgfältig abgeschirmt, wie es ihm geht, weiß außer den Menschen in seinem nahen Umfeld niemand.

Artikel 2 von 3