Stimme des Ostens

von Redaktion

Trauer um den Sänger und Entertainer Gunther Emmerlich, der im Alter von 79 Jahren starb

VON SIMONA BLOCK

Ihn nur als Sänger und Moderator zu bezeichnen, würde seiner Persönlichkeit nicht gerecht. Gunther Emmerlich spielte, inszenierte – und zuletzt kam er auch noch zum Schreiben. „Es ist eine Entdeckung für mich im etwas reiferen Alter“, sagte er mit 70. Mehrere Bücher hat er über sein Leben geschrieben, ans Aufhören dachte er nicht. „Diesen Beruf kann man nicht zur Hälfte machen“, war sein Credo. Bis zuletzt hielt der Künstler mit der unverwechselbar sonoren Bassstimme Lesungen, sprach Hörbücher ein, trat in Fernsehsendungen auf. Jetzt ist Emmerlich – ziemlich unerwartet – im Alter von 79 Jahren zu Hause in Dresden an Herzversagen gestorben. Nur wenige Tage zuvor hatte er noch ein Konzert gegeben.

Geboren im Jahr 1944 im thüringischen Eisenberg, wollte Emmerlich als Bub Pilot werden oder zur See fahren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er bei seiner älteren Schwester auf. Das Studium zum Bauingenieur brach er ab, um in Weimar Musik zu studieren. Im Jahr 1972 engagierte ihn das Nachwuchsstudio der Dresdner Semperoper, wenig später wurde er ins Ensemble übernommen, dem er bis 1992 angehörte. Eine seiner Paraderollen war der Osmin in Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“. Aber Emmerlich hatte auch ein Faible für leichte Musik. Mit einer aus Musikern der Staatskapelle bestehenden Band spielte er Jazz und Dixieland.

Ab 1987 eroberte Emmerlich dann die Bildschirme der damaligen DDR und bot mit der Samstagabendshow „Showkolade“ – einem Mix aus Talk, Musik und Kabarett – sogar Thomas Gottschalks „Wetten, dass…?“ im Westen Paroli. Die Neigung zu kritischen Bemerkungen über die DDR brachte ihn ins Fadenkreuz der Stasi. Deshalb wurde die Sendung nie live ausgestrahlt, sondern aufgezeichnet, um es den Aufpassern des Regimes zu ermöglichen, unliebsame Passagen herauszuschneiden.

Im Jahr 1992 löste der Entertainer seinen Vertrag mit der Semperoper, um frei zu arbeiten. Mit Fernsehsendungen wie „Nimm Dir Zeit“, „Gunther und drüber“ und „Zauberhafte Heimat“ – sie lief von 1993 bis 2006 – avancierte er dann zum Publikumsliebling in Ost und West. Daneben war er musikalisch unterwegs – mit seiner Band und in Duetten mit Deborah Sasson und Eva Lind. Ein Gastspiel mit Sasson führte ihn im Jahr 2008 sogar in die New Yorker Carnegie Hall. Der Semperoper blieb der nahbare Star mit der alljährlichen Moderation des Opernballs aber stets treu.

Das musikalische Repertoire Emmerlichs reichte von Kirchenmusik über Liederzyklen und Opernarien bis zum Swing. Und 2015 debütierte er im höheren Alter noch in einer Operette – als Oberst Ollendorf im „Bettelstudent“. Im Jahr 2007 schrieb Emmerlich seine Autobiografie „Ich wollte mich mal ausreden lassen“, es folgten unter anderen „Zugabe“ (2010) und „Spätlese“ (2016).

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