Ein voller Saal, teils bis zur Unkenntlichkeit verkleidete Politprominenz mitten im feiernden Volk – es kann sich nur um eine Faschingsveranstaltung handeln. Am nächsten Freitag heißt es ab 19 Uhr wieder „Franken Helau!“ bei der Kultsendung „Fastnacht in Franken“ im BR Fernsehen. Neben Ministerpräsident Markus Söder und den Ministerinnen und Ministern des bayerischen Kabinetts werden Vertreter der Parteien ebenso erwartet wie Kirchenfürsten, unter ihnen auch der neue evangelische Landesbischof Christian Kopp. Etwa 600 kostümierte Zuschauerinnen und Zuschauer haben in den Mainfrankensälen in Veitshöchheim bei Würzburg Platz. Es wird rhythmisch geklatscht und kräftig mitgesungen – und nach rund dreieinhalb Stunden gehen – hoffentlich – alle fröhlich nach Hause.
Das Format ist das meistgesehene im BR Fernsehen. Im vergangenen Jahr schalteten 3,79 Millionen Fans ein, entsprechend einem Marktanteil von 14,8 Prozent. Es war die erste Live-Sendung nach zwei Jahren, in denen wegen Corona nur Aufzeichnungen möglich waren. Wer heuer auf dem Platz der früheren Landtagspräsidentin Barbara Stamm sitzen wird, ist noch nicht bekannt. „Die Person, die diesen Platz erhält, wird ganz im Sinne der Barbara Stamm ausgewählt“, verspricht der Präsident des Fastnachtsverbands Franken, Marco Anderlik. Die Würzburgerin war Stammgast der Frankenfastnacht – auch nach ihrem Ausscheiden aus der Politik. Sie starb 2022 im Alter von 77 Jahren.
Zum Höhepunkt des Fernsehfaschings in Bayern setzen der BR und der Fastnachtsverband wieder auf bekannte Gesichter. So werden – in unverkennbarem „Färdder“ (Fürther) Dialekt – die Kabarettisten Martin Rassau und Volker Heißmann in ihren Paraderollen als „Waltraud und Mariechen“ die anwesenden Politiker derblecken, Bauchredner Sebastian Reich und sein Nilpferd Amanda werden ebenfalls erwartet, außerdem Ines Procter, Oti Schmelzer und Peter Kuhn. Comedian Michl Müller, der „Dreggsagg“, soll erneut mit einem Lied für Stimmung sorgen. Die Altneihauser Feierwehrkapell’n aus der Oberpfalz, gefürchtet für ihre Lästereien über die Franken, hat sich ebenfalls angesagt. „Wer erst um 19.05 Uhr den Fernseher anmacht, verpasst das erste Highlight“, kündigt Anderlik an.
„Die größte Strafe ist, wenn man gar nicht genannt wird“, sagt Sitzungspräsident Christoph Maul mit Blick auf die Politiker. „Und dann immer nur auf den Söder zu hauen, ist auch doof.“ Feiern in Krisenzeiten – für Maul ein Muss: .„Da reden dann die professionellen Narren und nicht die, die das ganze Jahr reden.“ Den Kopf in den Sand zu stecken sei auch keine Lösung. Die Fastnacht tue gut und steigere vielleicht auch ein bisschen die persönliche Anpassungsfähigkeit. Dass sich die Franken von den Altneihausern den Spiegel vorhalten lassen – „Ein Saal mit Gestalten, man möcht’ Abstand halten“ – spreche für sie. „Da kommt so ein bisschen das Masochistische beim Franken durch, der ja auch zum großen Teil Club-Fan ist“, sagt Maul. „Das macht man ja auch nicht nur, weil die Spiele immer so schön sind.“
Rund um die Bühne wollen etwa 100 Künstlerinnen und Künstler, Tänzerinnen, Brauchtumsfiguren, das Orchester und der Elferrat ein unterhaltsames Programm bieten. Hinter den Kulissen der Mainfrankensäle wirbeln zugleich an die 100 Beteiligte des BR und des Fastnachtsverbands, dessen Prunksitzung das Spektakel eigentlich ist. Hunderte Scheinwerfer und Mikrofone müssen funktionieren, etwa neun Kilometer Kabel wurden dafür verlegt. Mehr als drei Wochen dauern die Aufbauarbeiten – bei der Sendung ist die Bühne dann eine quietschbunte Kulisse.
In welche Figur sich Regierungschef Söder dieses Mal verwandeln lässt, ist noch geheim. Im vergangenen Jahr hatte sich der 57-Jährige für ein Kostüm mit Tragweite entschieden. Als „Stammesältester“ wolle er den Bayern Orientierung geben und sie durch die Krisen der Zeit führen, begründete er seine Wahl damals.