Er will es noch mal wissen

von Redaktion

INTERVIEW 20 Jahre nach seiner ESC-Premiere tritt Max Mutzke erneut beim deutschen Vorentscheid an

Er will es noch mal wissen: 20 Jahre, nachdem Max Mutzke für Deutschland den 8. Platz beim „Eurovision Song Contest“ holte, kämpft er wieder um das Ticket fürs Finale (am 11. Mai in Malmö). Beim deutschen Vorentscheid geht er am kommenden Freitag mit seinem Song „Forever Strong“ ins Rennen.

Warum tun Sie sich das an? Deutschland war zuletzt nicht grad der Liebling der ESC-Gemeinde.

Hätten Sie mich vor einem Jahr gefragt, hätte ich gesagt: Das tu ich mir nicht noch einmal an. Ich hatte irgendwie abgeschlossen mit dem Thema. Aber dann war ich im vergangenen Jahr als Gast in der ESC-Show mit Barbara Schöneberger in Liverpool dabei. Und diese drei Tage dort, die haben irgendwie alles verändert.

Inwiefern?

Ich war fasziniert von der Stimmung in dieser ESC-Stadt. Drei Tage lang haben Menschen aller Nationen mit ihren Kostümen und den Flaggen ihrer Länder friedlich miteinander gefeiert. Die ganze Stadt war voller Toleranz und Liebe. Der ESC steht ja eh für Diversität, aber die wird wirklich gelebt. Da habe ich begriffen, was der ESC bei Menschen auslöst.

Und dann haben Sie sich gleich beworben für 2024?

Ich habe es eher aus Spaß damals gesagt – und dann wieder vergessen. Mein Manager hat mich aber kurz vor dem Ende der Bewerbungsfrist für den Vorentscheid in diesem Jahr wieder daran erinnert. Und dann habe ich mit meiner Familie gesprochen und alle fanden, dass es eine schöne Geschichte ist, nach 20 Jahren noch einmal dabei zu sein.

Haben Sie gar keine Angst, sich diese schöne Erinnerung an 2004 mit einem möglichen Scheitern jetzt kaputt zu machen?

Davor habe ich überhaupt keine Angst. Ich war damals 22, ich kam als Mensch nach Istanbul, der überhaupt keine eigene Meinung dazu hatte, was um ihn herum passiert. Ich bin aus dem Schwarzwald ins Farbfernsehen gefallen. Ich galt immer als schüchtern, in Wahrheit wollte ich aber nichts sagen, um keinen Quatsch zu erzählen.

Okay, schüchtern sind Sie heute nicht mehr.

Genau. Mittlerweile bin ich ein Mensch, der in dieser Branche groß geworden ist. Die Musik ist mein Leben – und mein Beruf, mit dem ich mich und meine Familie ernähre. Mit der Haltung noch einmal zu starten, ist für mich etwas ganz anderes.

Und wenn es nicht klappt? Sie haben ja erst noch den Vorentscheid vor sich.

Dann muss ich das ganz schnell wieder abhaken. Wenn man einen Song schreibt und ihn performt, öffnet man sich in dem Moment total, man legt sozusagen seinen Brustkorb frei, und das pure Herz schlägt vor den Menschen. Das ist schon krass. Und jede Kritik fühlt sich dann an, als hätte jemand ein Messer ins offene Herz gesteckt. Aber so ist es – und am Ende entscheiden Publikum und Jury.

Ihren Hit von 2004 schrieb Stefan Raab. Haben Sie beide noch Kontakt?

Ich habe ihm tatsächlich Bescheid gegeben, dass ich noch mal antrete. Er fand’s cool und wünscht mir viel Glück.

Das Gespräch führte Stefanie Thyssen.

Artikel 2 von 4