Verkehrte Welt

von Redaktion

ARD zeigt Serie „Sexuell verfügbar“ mit Laura Tonke

VON RUDOLF OGIERMANN

Ein Mann, der Anzeige wegen Vergewaltigung erstattet – gegen eine Frau? Eine Frau, die beteuert, der Sex sei „einvernehmlich“ gewesen? Verkehrte Welt, um deutlich zu machen, nach welchen immer gleichen Mustern – und mit welchen Vorurteilen – ein solcher Fall oft be- und verhandelt wird, wenn es andersherum passiert. „Sexuell verfügbar“ heißt dieser Beitrag der ARD zum Weltfrauentag, zu sehen ab heute in der Mediathek und am 16. März im linearen Fernsehen.

Im Mittelpunkt der fünfteiligen Serie nach dem gleichnamigen „anekdotisch-autobiografischen Sachbuch“ von Caroline Rosales steht Michaela „Miki“ Walter, gespielt von Laura Tonke, eine alleinerziehende Mutter zweier präpubertärer Kinder, die ihre Sexualität auslebt und auch sonst ihre Rolle als Frau sprengt. Das, wenn man so will, Corpus delicti in diesem (Vergewaltigungs-)Fall ist – ein Dildo. Eine Verurteilung würde „Miki“ ihre bürgerliche Existenz kosten, außerdem wäre sie ihre Kinder los. Retten soll sie Jugendfreund Benjamin Sellmann (Florian Stetter), inzwischen erfolgreicher Anwalt.

Die „Versuchsanordnung“ ist reizvoll, der konsequente Wechsel der Perspektive führt zu denkwürdigen Dialogen. So muss sich das mutmaßliche Opfer namens August von Modersohn (Hanno Koffler), fragen lassen, ob es womöglich „ein bisschen zu viel Haut gezeigt“ habe, denn das könne „zu Missverständnissen führen“. Die mutmaßliche Täterin wiederum wird von ihrem Anwalt-Freund ermahnt, sich „anständig zu benehmen, das ist vor Gericht das Wichtigste“.

Romanautorin Rosales und Timon Karl Kaleyta als Drehbuchteam sorgen für eine wilde, teils etwas trashige Story mit allerlei schrägen Nebenfiguren, zu nennen ist hier vor allem ein stets sehr leicht bekleideter, schwuler Babysitter (Merlin Sandmeyer). Lilo Wanders („Wa(h)re Liebe“), Rapperin Lady Bitch Ray und Komikerin Ines Anioli als Gaststars reden mit der Hauptfigur über die Lage des Feminismus (Regie: Ulrike Kofler). Dem Sujet gemäß kommt das Ganze nicht ohne explizite Szenen und eine unmissverständliche Sprache aus – nichts für Zartbesaitete.

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