Für ihre Rolle in der Disney+-Miniserie „Deutsches Haus“ wurde Katharina Stark ausgezeichnet. © Wiktor/dpa
Strahlende Siegerin: Bei der diesjährigen Berlinale gewann Katharina Stark den Preis als „European Shooting Star“ und war überglücklich. In diesen Wochen dreht sie in Prag einen Film über Franz Kafka. Sie spielt dessen Schwester Ottla. © Bilan/EPA
Als kleines Mädchen hat Katharina Stark dem Weihnachtsmann einen Wunschzettel geschrieben. „Ich möchte Schauspielerin werden“, stand da drauf. „Ich wollte das wirklich schon immer“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung und lacht. Mit Freundinnen habe sie sich damals die großen Kinofilme der Zeit angeschaut, „Die Chroniken von Narnia“ zum Beispiel. Und sie hat sich hineingeträumt in diese Fantasiewelt. „Lustigerweise habe ich aber nicht davon geträumt, mitzuspielen“, erzählt sie. „Ich wollte eine der Figuren sein, die ich da sehe.“
Sein – und eben nicht „nur spielen“ – das mag der Schlüssel zur Erklärung sein, wenn man sich fragt, wie diese Katharina Stark es nun geschafft hat, nicht nur ihren Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen, sondern tatsächlich eine der besten und gefragtesten Nachwuchs-Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum zu werden. Frisch gekürt zum „European Shooting Star“ bei der diesjährigen Berlinale und zuletzt ausgezeichnet mit dem begehrten „Bunte New Faces Award“ von Burda.
Es ist ihr präzises, glaubwürdiges Spiel, das sie auszeichnet. Und sie die Figuren sein lässt, die sie spielen soll. Am vorvergangenen Sonntag überzeugte sie im Magdeburger „Polizeiruf“ als junge Frau, die zur Mörderin wird. Liebe, Hass, Verzweiflung und Verletztheit – all das hat die 25-Jährige in ihr Gesicht gelegt und damit viele der über sieben Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer berührt.
In der Disney+-Serie „Deutsches Haus“ über den ersten Auschwitz-Prozess in Frankfurt Mitte der Sechzigerjahre, für die Stark jeweils die oben erwähnten Auszeichnungen erhielt, gab sie die Übersetzerin Eva Bruhns. Aus Sicht der Jury spielt Stark diese emotional aufgeladene und anspruchsvolle Rolle „mit Leichtigkeit“. Die Tiefe der Figur werde durch eine zurückhaltende wie überzeugende Darstellung vermittelt. Der Burda-Verlag befand, Stark zeige eine Bandbreite, „die man unbedingt würdigen“ wolle.
Ihr Handwerk gelernt hat Katharina Stark, die in einer kleinen Stadt im Allgäu aufwuchs, also jenseits der Film- und Fernseh-Glitzerwelt, an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule, anschließend stand sie auf der Bühne der Kammerspiele und für Kinofilme wie „König Laurin“, „Luna“, „Dead Girls Dancing“ sowie einige Fernsehproduktionen vor der Kamera.
Und in diesen Tagen geht es munter weiter. Unter der Regie von Agnieszka Holland dreht Katharina Stark einen Film über Franz Kafka, sie spielt dessen Schwester Ottla. „Eine fantastische Arbeit“ sei das, erzählt sie, „das macht richtig Spaß!“ Überhaupt sucht sie ihre Arbeiten gut und genau aus, natürlich hat sie eine Agentur, die Sachen vorauswählt und sie berät. „Ich habe Lust auf Geschichten, die Fragen stellen, auf Geschichten, über die ich mir auch persönlich Gedanken mache, die ich spannend finde“, sagt Stark und bei ihr klingt das überhaupt nicht banal oder nach Plattitüde, sondern sehr ernsthaft und erwachsen. Sie weiß, was sie will – und hat das Handwerkszeug dazu.
Am Tag unseres Gesprächs steht Stark gerade am Flughafen und hat nach Cannes eingecheckt. Ein paar Tage Filmfestspiele hat sie nun vor sich, die Reise steht noch in Zusammenhang mit dem Gewinn des „New Faces Awards“ und gibt ihr und den anderen Gewinnerinnen und Gewinnern die Möglichkeit, sich weiter zu vernetzen, über neue Projekte zu sprechen – und auch mal auf einem der berühmtesten roten Teppiche der Filmwelt zu stehen.
„Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, wie das dort wird“, sagt Katharina Stark und in der Stimme ist ein Funken Nervosität zu hören. „Alles, was ich gelesen habe, klingt schon verrückt und aufregend. Ich kann mir nicht ausmalen, wie das wird. Gut möglich, dass ich mich dort mal zwicken muss angesichts all der Erlebnisse der vergangenen Monate.“
Vielleicht denkt sie ja auch wieder an den Weihnachts-Wunschzettel von früher. Und dass manche Wünsche und Träume besonders gern in Erfüllung gehen, wenn man sie so leidenschaftlich verfolgt. „Das echte Leben als Schauspielerin ist jedenfalls noch schöner“, sagt sie dann, „als ich es mir damals als Kind vorgestellt habe“. STEFANIE THYSSEN