INTERVIEW

„Ich lass mich nicht kaputtmachen“

von Redaktion

Stefan Mross über 20 Jahre „Immer wieder sonntags“ und Hetze im Netz

Seit 20 Jahren präsentiert Stefan Mross den ARD-Schlagerfrühschoppen „Immer wieder sonntags“. © Breiteneicher/SWR

Es raschelt im bunten Blätterwald. „Darum wird er seine Ex nicht los“, „Familiendrama“, „Rentnerpaar verklagt Schlagerstar“ – täglich kann Stefan Mross neue Schlagzeilen über sich lesen. Immer wieder Ärger für den 48-jährigen Traunsteiner, der an diesem Wochenende seine Jubiläumsstaffel auf der Showbühne im Europa-Park Rust startet. Seit zwei Jahrzehnten lädt er als Gastgeber von „Immer wieder sonntags“ um 10 Uhr zum beliebten ARD-Schlagerfrühschoppen. Im Gespräch blickt er zurück und erklärt, was ihm gegen die Hetze im Netz hilft.

Sie waren 28 Jahre alt, als Ihnen „Immer wieder sonntags“ angeboten wurde. Was ging Ihnen damals durch den Kopf?

Ich hab spontan abgesagt.

Warum?

Mir war das Wasser zu kalt, in das ich springen sollte. (Lacht.) Ich war ja sehr jung und hatte wirklich großen Schiss davor, diese Verantwortung zu übernehmen. Mein Glück war, dass ich kurz darauf im „Musikantenstadl“ Moderationsluft schnuppern durfte, als ich für den kranken Karl Moik eingesprungen bin. Danach haben wir die Gespräche wieder aufgenommen und „Immer wieder sonntags“ auf ganz neue Beine gestellt.

Seit bald zwei Jahrzehnten stehen Sie mit der Schlagershow auf der Bühne. Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich heute gern zurufen?

Entspann dich, und mach dich ein bisschen locker. Ich hab mich damals wirklich totgelernt. Von Mittwoch bis Sonntag hab ich mir das Drehbuch, die Abläufe und meine Texte Wort für Wort eingebläut. Diese Live-Show ist ja genau getaktet, es geht um Sekunden und Minuten, weil wir um Punkt 12 Uhr fertigsein müssen. Und das hat mich früher fertig gemacht. Heute kann ich besser improvisieren, mich selbst einbringen. Ich weiß einfach, dass es ganz gut ist, wenn man im Kopf flexibel bleibt.

Beim Blick zurück: Von welchen Erlebnissen bei „Immer wieder sonntags“ werden Sie noch Ihren Enkeln erzählen?

Auf jeden Fall von der Currywurst-Aktion, die für mich nicht so gut gelaufen ist. (Lacht.) Das war auf nüchternen Magen bei großer Hitze und Adrenalin zu viel Schärfe. Da hat mein Körper in den letzten Minuten schlappgemacht. Aber ich hab daraus gelernt.

Nie wieder Currywurst?

Doch, aber nicht mehr in einer Live-Sendung. (Lacht.) Mein absolutes Highlight aber war die zweitägige Probe mit einer Braut, die ihrem Freund in der Show einen Heiratsantrag machen wollte. Sie stand im Kleid hinter der Bühne, während ich mich in der Sendung an ihren Zukünftigen rangeschlichen und ihn gefragt habe, mit wem er da sei. Und er zeigte auf die Frau neben sich und sagte: mit meiner Freundin. Da ist mir das Herz in die Hose gerutscht. Als er dann beim Antrag auch noch Nein gesagt hat, war ich mit den Nerven am Ende. Bis sich herausstellte, dass ich dem Team von „Verstehen Sie Spaß?“ auf den Leim gegangen war. Das waren meine anstrengendsten Minuten in 20 Jahren „Immer wieder sonntags“.

Wer im Netz Ihren Namen googelt, stößt auf zahlreiche Geschichten über Scheidung, Gerichtsverfahren, geplatzte Plattenverträge, die Kündigung Ihres Managers. Wie gehen Sie damit um?

Natürlich lese ich lieber schöne Schlagzeilen, aber ich bin mittlerweile schon abgebrüht. Mein ganzes Musikerleben, also seit gut 35 Jahren, bin ich mit dem Thema konfrontiert. Und da ist mir ein dickes Fell gewachsen. Immer vor einer neuen Staffel werden sämtliche Klatschgeschichten rausgekramt. Natürlich gibt es auch Leute, die sich gern wichtig machen, die nur zu gern Interviews geben, um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

Das lässt Sie kalt?

Nein, vieles verletzt mich natürlich. Und ich hab auch schon mal schlaflose Nächte, weil ich mich selbst manage und mir den Kopf zerbreche, wie man das strategisch am besten anstellt. Aber ich muss das abschütteln, weil das Schöne an meinem Beruf ist ja, die Leute glücklich zu machen. Das ist die Berufung, für die ich brenne. Wenn ich mich da kaputtmachen lasse, dann kann ich diese Aufgabe irgendwann nicht mehr erfüllen.

Wo schöpfen Sie Kraft?

Bei meiner Familie, meinen Freunden, in meiner Beziehung mit meinem Schatz Eva. Sie sorgen dafür, dass ich immer noch großen Spaß habe und nicht psychisch am Krückstock gehe.

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