Geben den Zündschlüssel ab: Jeremy Clarkson, James May und Richard Hammond (v. li.) sind die Protagonisten von „The Grand Tour“. © Amazon
Drei Legenden nehmen die Ausfahrt. Ab sofort ist bei Amazon Prime die letzte Folge der Auto-Show „The Grand Tour“ mit dem englischen Kulttrio Jeremy Clarkson (64), Richard Hammond (54) und James May (61) zu sehen. Sie haben genug davon, Autos aufs Dach zu legen, im Bentley durch Madagaskar zu brettern und politisch unkorrekten Schabernack zu treiben. „Wir sind alle ein bisschen alt geworden“, erklärt May den Rückzug als PS-Dreamteam. Auto-Stopp beim Streamingdienst – auch wenn die Reihe womöglich mit neuen Moderatoren weitergehen könnte.
Berühmt wurden die drei ab 2003 als Gastgeber der BBC-Serie „Top Gear“, in der Stars wie Tom Cruise, Cameron Diaz, Hugh Grant oder James Blunt nicht in Traumautos um die Wette fuhren – sondern in beeindruckend langsamen Kleinwagen. „Stars in einem preisgünstigen Auto“ hieß die skurrile Reihe. Im Jahr 2011 stellte Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel in einem Kia Cee’d einen neuen Rekord auf. Davor musste der junge Deutsche bei Jeremy Clarkson aber erst einmal nachweisen, dass er überhaupt schon einen Führerschein hat.
„Top Gear“ lief auch in Deutschland, doch 2015 war die Sause vorbei. Denn so amüsant vor allem Clarkson als polternder Zyniker in der Sendung war – so unangenehm konnte er hinter den Kulissen werden. Die BBC feuerte ihn nach einem Übergriff gegen einen Produktionsmitarbeiter. Doch das Trio fand schnell einen neuen Job. Amazon startete mit Millionenaufwand „The Grand Tour“, das ab 2016 in einem Zelt durch die Welt zog. Eines der vielen Highlights war im Jahr 2017 ein Trip in englischen Luxusautos von Bayern, natürlich über die Orte Kissing und Petting, nach Schottland ans Loch Ness. Britischer Humor eben…
„The Grand Tour“ wurde zu einer der erfolgreichsten Amazon-Serien – vor allem wegen der exzentrischen Gastgeber. Hammond war der Crashpilot des Trios und wunderte sich nicht nur einmal: „Warum wird jedes Auto, in das ich einsteige, zerstört?“ Sein Gegenpol war Pendant, Tüftler und Langsamfahrer May als „Captain Slow“. Und Clarkson sinnierte, durchaus nachvollziehbar: „Geschwindigkeit hat noch nie jemanden umgebracht. Plötzlich stehen zu bleiben, das ist es, was einen killt.“
Im Zeitalter der Elektroautos, in dem Spaß am schnellen Autofahren eher als Sünde gilt, wirkten die drei in die Jahre gekommenen Zausel zuletzt ziemlich aus der Zeit gefallen. Nachdem Clarkson dann mit öffentlichen Ausfällen gegen Meghan Markle für den nächsten Skandal sorgte, hatte wohl auch Amazon genug und trat auf die Bremse. In der letzten Folge fahren die drei in ihren persönlichen Traumautos, einem Lancia Beta Montecarlo, einem Ford Capri und einem Triumph Stag durch Simbabwe. Titel des Abschieds: „One for the Road“, was in etwa mit „Noch einen Drink für unterwegs“ zu übersetzen ist. Na denn: Cheers und Prost, alte Knaben!
JÖRG HEINRICH