Allein gegen die Pflege-Mafia

von Redaktion

Schauspielerin Milena Tscharntke glänzt im ARD-Thriller „Die stillen Mörder“ als kämpferische Juristin

Ist Pflegerin Dana (Maria M. Wardzinska) zu trauen?

Mia (Milena Tscharntke) und ihr Kollege Jan Wilke (Franz Hartwig) durchforsten die Akten. © Boris Laewen/ARD Degeto

Dass etwas nicht stimmt, spürt der Zuschauer schon nach wenigen Minuten. Die Anwältin Mia Stocker wirkt für ihr junges Alter viel zu ernst. Doch fürs Grübeln bleibt ihr nicht viel Zeit. Es gibt viel zu tun in dem Fernsehthriller „Die stillen Mörder“, den das Erste an diesem Samstag um 20.15 Uhr zeigt. Hauptdarstellerin Milena Tscharntke glänzt in der Rolle einer einsamen Kämpferin.

Juristin Mia arbeitet in der Kanzlei ihres Vaters, dem sie sich nach Jahren der Entfremdung – sie wuchs bei ihrer Mutter auf – wieder vorsichtig annähert. Und sofort landet ein komplexer Fall auf ihrem Tisch: eine mutmaßlich fahrlässige Tötung in einem Pflegeheim nach der Gabe einer falschen Medikation. Mia und ihr Kollege, der ehrgeizige Aufsteiger Jan Wilke (Franz Hartwig), vertreten den Betreiber des Pflegeheims und langjährigen Freund ihres Vaters, Richard Willenborg (Matthias Matschke). Sie stehen ihm in einer Schadensersatzklage bei, an dessen Ende die osteuropäische Pflegerin ins Gefängnis wandert. Doch bald zeigt sich, dass sich hinter der vermeintlichen Lösung des Falls eine tiefere, viel dunklere Wahrheit verbirgt.

Dass im deutschen Pflegesystem nicht alles zum Besten steht, ist kein Geheimnis. Fehlendes Personal, hohe Kosten. Doch dazu gibt es Fälle mit einer kriminellen Dimension. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ deckte 2020 einen Fall der Pflegemafia auf, der hier Pate für das Drehbuch von Martin Dolejs und Christine Heinlein stand. Regisseur Till Endemann hat sich schon häufiger mit brisanten gesellschaftlichen Themen beschäftigt und den Stoff sehr präzise und spannend verfilmt. Der Krimi überzeugt vor allem aber durch seine junge, aber präsente Hauptdarstellerin.

Die 28-jährige Milena Tscharntke verfügt schon über reichlich Dreh-Erfahrung. In Hamburg aufgewachsen – ihre Mutter ist die Schauspielerin Andrea Lüdke – spielte sie ihre erste TV-Rolle im Alter von acht Jahren. „Ich war ein verträumtes und schüchternes Kind, aber es hat mich total gefesselt, in den Ferien am Set zu sein. Ich habe das als Abenteuer gesehen“, sagt sie. Nach dem Abitur stand ihr Berufswunsch fest. Zugleich kamen immer mehr ernsthafte Rollen. Seither dreht sie konstant.

Milena Tscharntke reizte an dem TV-Thriller „Die stillen Mörder“, dass er nicht nur eine politische Dimension habe, sondern zugleich vielschichtige Figuren zeige. Die von ihr gespielte junge, idealistische Anwältin hat sich mit viel Disziplin durch das Studium gekämpft. „Sie hat Mut, Empathie, aber es gibt auch Taten in ihrer Vergangenheit, für die sie sich schämt und selbst bestraft“, so Tscharntke. All das enthüllt der Film nach und nach. Denn Mia trägt eine Narbe im Gesicht, betäubt sich mit Alkohol und wirft Medikamente ein. „Sie ist alles andere als perfekt und hat Konflikte im Job mit dem eigenen Vater. Das war für mich eine Fundgrube“, freut sich die junge Schauspielerin. Die Ambivalenz der Figur Mia habe sie gereizt. „Sie hat einen grenzenlosen Gerechtigkeitssinn. Das fand ich an der Figur so stark.“
ODA BAUM

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