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Schlauer als die Polizei erlaubt

von Redaktion

„Ich bin Dagobert“ – glänzende RTL+-Serie über den Kaufhauserpresser Arno Funke

Clever: Friedrich Mücke als „Dagobert“. © RTL+

Der echte Arno Funke. © dpa

Nicht mehr so viel saufen! Mit roter Farbe hat sich Lackierer Arno Funke diesen Satz an die Innentür seiner verlotterten Wohnung gepinselt. Kurz darauf greift er nach der Schnapsflasche im Werkstattspind – anders ist das Leben für ihn nicht zu ertragen. „Ich bin Dagobert“ heißt die neue RTL+-Serie, die höchst kurzweilig die kriminelle Karriere des legendären Kaufhauserpressers Arno Funke skizziert. Es ist die wahre Geschichte eines depressiven Arbeiters, der sich neu erfindet, die Polizei fast zwei Jahre lang narrt und die Republik in den frühen Neunzigerjahren in Atem hält.

Eine halbe Million Mark fordert Funke 1988 vom Berliner Nobelkaufhaus KaDeWe. In der Herren-Etage hat er einen selbst gebastelten Sprengsatz versteckt, den er nachts zündet. Der „Knallfrosch“ ist nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen kann, wenn das Lösegeld nicht zu seinen Bedingungen übergeben wird. Was folgt, ist ein erstaunlich kreatives Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Funke, der sich Dagobert nennen lässt, schlauer wirkt, als die Polizei erlaubt.

Bomben, Erpressungen, skurrile Geldübergaben – die sechsteilige Serie, die ab heute beim kostenpflichtigen Streamingdienst RTL+ bereitsteht und ihre Free-TV-Premiere am 7. Oktober bei Nitro feiert, überzeugt mit einem glänzend aufgelegten Hauptdarsteller Friedrich Mücke. Regisseur Hannu Salonen macht bei der Produktion alles richtig: Mit Tempo schickt er die Zuschauer zurück in die Neunzigerjahre. Jedes Detail – die Mode, die Musik, die Ausstattung – ist aufs Feinste abgestimmt. Virtuos balanciert Salonen zwischen Humor und Spannung und sorgt so für ein faszinierendes Serienerlebnis.

Der „echte“ Arno Funke stand der Produktion übrigens als Berater zur Seite und hat sogar einen kleinen Cameo-Auftritt. „Mir war in erster Linie wichtig, dass die Serie möglichst dicht an der Realität bleibt“, sagt der 74-jährige Berliner, der 1994 festgenommen, 1996 verurteilt und am 13. August 2000 wegen guter Führung wieder aus der Haft entlassen wurde. Die eigene Geschichte nach 30 Jahren so im Fernsehen zu sehen sei merkwürdig, so Funke. „Ich habe manchmal das Gefühl, das kann alles gar nicht wahr sein!“
ASTRID KISTNER

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