Kollegen in Hamburg: Die Kommissare Harry Möller (Maria Ketikidou) und Nils Sanchez (Enrique Fiß) haben es in ihrer Folge in Spielfilmlänge mit einem harten Fall zu tun. © Jander/ARD
Normalerweise geht es im Hamburger „Großstadtrevier“ eher heiter zu. Die ARD-Serie erzählt selten die ganz harten Krimigeschichten. Statt um Schwerverbrechen geht es oft um fast menschlich zu nennende Verfehlungen, die mit flotten Sprüchen und auch sonst einer guten Dosis Humor aufgeklärt werden. Nicht so im ergänzenden Spielfilm „Großstadtrevier: Im Moment der Angst“, der am Montag um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird. Denn der 90-Minüter – der zweite nach „Großstadtrevier – St. Pauli, 06.07 Uhr“ von 2021 – ist geprägt von Düsternis.
Ein schwerwiegendes gesellschaftliches Problem und die seelische Dünnhäutigkeit einer Polizistin bilden die Themen, mit denen der Film bei einigen Abstrichen insgesamt überzeugt. Genauer gesagt geht es um Triage, die ethisch schwierige Auswahl von Erkrankten oder Verletzten für die Behandlung in der Notaufnahme – innerhalb eines wirtschaftlich orientierten Krankenhaus-Systems. Und um die Todesangst, die selbst eine erfahrene Zivilfahnderin wie Harry Möller (Maria Ketikidou) angesichts brutaler körperlicher Gewalt erfassen und zu unprofessionellem Verhalten bewegen kann. „Ich mag am liebsten die Folgen, in denen es emotional um etwas geht, und wo Harry auch noch mal mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen hat“, sagt Ketikidou.
Die Geschichte von Regisseur Florian Gottschick („Ein Fall für zwei“) nach dem Drehbuch von Andreas Kaufmann beginnt mit einer gnadenlosen Schlägerei sich benachteiligt fühlender junger Männer am Hafen. Als Harry mit der frischgebackenen Rettungssanitäterin Mirja (Franziska von Harsdorf) eingreift und beide dabei verletzt werden, kommen sie in die Notaufnahme eines Klinikums. Als es der Polizistin nach dort verbrachter Nacht besser geht und sie Mirja mit Blumen überraschen will, ist die als nicht akut gefährdet triagierte junge Frau tot. Und dafür macht der Vater, der Kranführer Tom Grabowski (Andreas Anke), Harry verantwortlich.
„Mein Anspruch ist immer eine wahrhaftige Darstellung, darum habe ich mich mit einer Psychologin getroffen und mir ein minutiöses Psychogramm der verschiedenen Stadien innerhalb des Handlungsbogens erarbeitet“, sagt die 58-Jährige. Und sie fügt hinzu, dass sie mit dem Thema Triage bereits eigene Erfahrungen gemacht habe – als sie ihren Vater in ein Hamburger Krankenhaus bringen musste. Mit höllischen Schmerzen habe der 84-Jährige dort zwölf Stunden ohne ein Glas Wasser und eine Decke auf einem Stuhl ausharren müssen, bis er nachts um zwei endlich in ein Krankenzimmer kam.
DPA
„Großstadtrevier“
läuft am Montag um 20.15 Uhr im Ersten und in der Mediathek.