Unvergessene Rolle: Atzorn als „Unser Lehrer Doktor Specht“. Die Serie lief von 1992 bis 1999. © Imago
Glückliche Ehe: Robert Atzorn mit seiner Frau Angelika Hartung. Die beiden leben am Chiemsee. © Bodmer
Robert Atzorn gehört nicht zu den ersten Namen, die einem einfallen, wenn es um die erfolgreichsten Schauspieler der vergangenen Jahrzehnte geht. Doch tatsächlich hat er seinen Platz in dieser Riege – als Serienstar in „Oh Gott, Herr Pfarrer“ und vor allem „Unser Lehrer Doktor Specht“, als „Tatort“-Kommissar Jan Casstorff oder in eindringlichen Filmrollen wie der des Polizeipräsidenten in „Der Fall Jakob von Metzler“. Es war also gut, dass sich Atzorn, der am Sonntag seinen 80. Geburtstag feiert, in den Anfängen seiner Laufbahn nicht vom Theatergenie Peter Zadek entmutigen ließ. Der habe ihn am Bochumer Schauspielhaus als „das spießigste Arschloch“, das er je auf einer Bühne gesehen habe, beschimpft – für Atzorn ein Ansporn, es besser zu machen. Der seit Langem mit seiner Frau am Chiemsee in Bayern lebende Vater zweier Söhne kam kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs am 2. Februar 1945 in Pommern zur Welt. Mutter und Großmutter flohen mit dem Neugeborenen, er wuchs in Oldenburg und Hamburg auf. Atzorn studierte Grafik, besuchte in München die Schauspielschule und fing als Theaterschauspieler an. Dass sein Name heute bekannt ist, verdankt Atzorn allerdings allein dem Fernsehen. Mit Maren Kroymann an der Seite wurde die ARD-Serie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ ab 1988 ein Erfolg. Sie ging beim Publikum so durch die Decke, dass selbst der „Spiegel“ über den Erfolg des wöchentlichen „Spiels vom schlaffen Pfarrer Wiegandt im Schwabenmief“ rätselte. Obwohl die Einschaltquoten bei mehr als 40 Prozent landeten, war nach einer Staffel Schluss. Für Atzorn war dies ein Glücksfall, denn er wechselte zum ZDF und dort direkt zu seinem größten Erfolg. In 70 Folgen stand er von 1992 bis 1999 für „Unser Lehrer Doktor Specht“ vor der Kamera. Im Grunde hätte sein folgender Auftrag als Nachfolger von Manfred Krug im Hamburger „Tatort“ eine Steigerung werden können. Atzorn selbst nannte das Engagement einen Ritterschlag. So richtig warm wurden der Schauspieler und die Krimireihe aber nicht miteinander, nach 15 Folgen gab es einen Abschied ohne Schmerz. „Ich finde, die Figur ist auserzählt“, sagte Atzorn knapp. Interessante Aufträge hatte Atzorn aber weiterhin. Er spielte in Dieter Wedels „Die Affäre Semmeling“ mit und in der Reihe „Kanzleramt“. Seine letzte große Rolle wurde wieder ein Erfolg: Er spielte in „Nord Nord Mord“ von 2011 bis 2018 den Kommissar Theo Clüver und holte wieder Zuschauerzahlen wie zu Beginn seiner Karriere. Doch von einem Tag auf den anderen beendete er 2018 die Laufbahn. „Es gibt auch noch etwas anderes im Leben – meine Familie, meine Enkel –, ich möchte nicht auf der Bühne oder vor der Kamera sterben“, sagte er. Nur bei den Lesungen mit seiner Frau können ihn Fans noch sehen. Der Titel der Biografie lautet „Duschen und Zähneputzen – Was im Leben wirklich zählt“.
AFP