Sie hat es für ihn gemacht: Lilly Becker mit Sohn Amadeus. Er sei ihr größtes Geschenk überhaupt.
Während sich in Berlin die Kanzlerkandidaten von SPD und Union duellierten und kein eindeutiger Sieger ausgemacht werden konnte, war das Triell im fernen australischen Dschungel eine recht klare Angelegenheit. Lilly Becker, einst an der Seite von Boris berühmt geworden, sicherte sich in der RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ die Krone, konnte ihr Glück kaum fassen – und als Sohn Amadeus, der am Finaltag seinen 15. Geburtstag feierte, auch noch als Erster gratulierte, flossen die Tränen der Freude. Ähnlich glücklich dürfte Becker nur noch über das erspielte Preisgeld von 100 000 Euro sein. Schließlich befindet sie sich aktuell mit einem einstigen Freund in einem Rechtsstreit um eine Menge Geld (wir berichteten).
Was hat schlussendlich zum Sieg geführt? Auf der Pressekonferenz erklärte Becker: Möglicherweise habe sie davon profitiert, dass sie Vorurteile ausräumen konnte, die ihr normalerweise entgegengebracht würden. Die Menschen hätten sich im Vorfeld bestimmt gefragt, ob sie in der Sendung viel jammere oder verwöhnt sei, sagte sie. „Ich wusste, dass die Leute mich nicht kennen.“ Sie sei aber einfach sie selbst gewesen und die Zuschauer hätten dann vielleicht gesehen: „Oh mein Gott, die Lilly ist eigentlich normal und die ist einfach eine coole Tante!‘“, so Becker, die früher als Model gearbeitet hat.
Tatsächlich hatte sich Sharlely, wie ihr Vorname richtig lautet, als sehr widerstandsfähig, ehrgeizig, aber auch feinfühlig gezeigt. Sie kämpfte darum, als eigenständige Persönlichkeit gesehen zu werden. Das war zu jeder Zeit spürbar. Im Finale sagte sie, dass sie hoffe, die Show „einfach als Lilly Becker“ verlassen zu können – und nicht als die „Frau von“. „Ich zeige mich hier komplett ohne Make-up, ohne nix“, beteuerte Becker. „Nix ist Fake hier, alles ist echt.“ Aus ihren Ambitionen hatte sie dabei nie einen Hehl gemacht. Es gehe ihr darum zu gewinnen – auch für ihren Sohn. Er solle ein Vorbild „für das Leben“ haben. Sie sage ihm: „Was auch passiert – nicht aufgeben.“
Im Finale musste die Holländerin dann noch einige unschöne Dinge über sich ergehen lassen. In ihrer letzten Prüfung sollte sie ihren Kopf in einen Wassertank stecken, der nach und nach mit Getier gefüllt wurde. Als ihr ein Aal unter das Shirt glitt, brach sie panisch ab – im Glauben, es handle sich um eine Schlange. Mitcamper Pierre Sanoussi-Bliss (62) versuchte sie danach aufzubauen: „Wir gehen mal lecker Aal essen in Berlin“, sagte er. „Da rächen wir uns an den Viechern.“
Der Münchner Schauspieler, bekannt aus der ZDF-Krimireihe „Der Alte“, wurde am Ende Zweiter. Reality-TV-Sternchen Alessia Herren (23) belegte den dritten Platz. Sie landete damit auf demselben Rang wie ihr Vater vor mehr als 20 Jahren. „Lindenstraße“-Schauspieler Willi Herren (1975-2021) war 2004 im Dschungel ebenfalls Dritter geworden. Alessia Herren holte in ihrer finalen Prüfung – wie Lilly Becker – keinen Stern ab, trotzte aber immerhin in einer Box der Anwesenheit einiger Schlangen. „Wenn mein Vater das miterleben würde, der wäre so stolz auf mich.“
Die 18. Staffel des Reality-TV-Formats wird überhaupt als Camp der verlorenen Sterne in Erinnerung bleiben. Noch nie sei das Verhältnis von möglichen Punkten zu erspielten Punkten so schlecht gewesen, heißt es von RTL. Etliche Prüfungen wurden abgebrochen. Entsprechend karg fielen häufig die Mahlzeiten aus. „Es war das facettenreichste, aber leider auch das erfolgloseste Camp aller Zeiten“, bilanzierte Moderatorin Sonja Zietlow.
Mit den Quoten dürfte der Kölner Privatsender indes zufrieden sein. Auch wenn die wirklichen Glanzzeiten mit sieben, acht Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern der Vergangenheit angehören. Das Finale schauten immerhin 4,4 Millionen an. Im Schnitt kamen die 17 Folgen auf 4,05 Millionen Zuschauer. Bei den 14- bis 59-Jährigen verbuchte die Show einen durchschnittlichen Marktanteil von sehr starken 24,8 Prozent, in der Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen waren es sogar von 29,9 Prozent.
THY/DPA