Skifahren nur für Reiche?

von Redaktion

Vom Volkssport zum Luxus-Hobby – neue 3sat-Doku nimmt Wintertourismus ins Visier

Knapp 70 Euro kostet ein Tagesskipass in den Tiroler Skigebieten – ein teurer Spaß. © ORF

Hauchfeine Trüffelspäne thronen auf ausgelöstem Hummer. Die Vanille-Vinaigrette wird mit der Pipette dosiert. Im Tiroler Skiort Ischgl setzt man auf Luxus: Seilbahnen, Hotels und Restaurants wollen eine wohlhabende Klientel ansprechen. „Unser Publikum ist international, und wir haben uns angepasst“, sagt Gastronom Klaus Brunnmayr, der Sushi statt Schnitzel und Housemusik statt Apres Ski mit DJ Ötzi serviert. Eine Ausnahme? Eher nicht, wie die Dokumentation „Alpine de luxe – Skisport nur für Reiche?“ heute um 20.15 Uhr bei 3sat zeigt.

Filmemacher Claus Elßmann hat sich in den großen Skigebieten umgeschaut und festgestellt: Das Winterwunderland wird immer unbezahlbarer. Vor allem für Familien, Studenten und Senioren – selbst wenn sie sich zum sorgenfreien Mittelstand zählen. Ein Tagesskipass für knapp 70 Euro, das Hotelzimmer für 300 Euro pro Person und ein Teller Spaghetti auf der Hütte für 19 Euro. Da lassen viele ihre Ausrüstung gleich im Keller. Die Buchungen von Deutschen und Österreichern sind in den Skihochburgen deutlich zurückgegangen. Sie weichen in günstigere Regionen aus.

Im Stubaital betreibt Lara Stolz ein kleines Hotel. Von klassischen Wochenbuchungen mit Anreise am Samstag kann sie nur träumen. Früher seien die Leute öfter gekommen und manchmal sogar zwei Wochen geblieben. „Heute bleiben die meisten nur drei bis vier Tage und verzichten auf die Halbpension. Man merkt bei einigen, dass sie sich zwischen Winter- und Sommerurlaub entscheiden müssen.“

Gleichzeitig schießen in Ischgl, Kitzbühel und Arlberg Chalet-Dörfer aus dem Boden. Privatköche sind gut gebucht. Die Erfahrung zeigt: Im Luxusbereich lässt sich gutes Geld verdienen. Das weiß auch Tourismus-Manager Andreas Steibl: „Wir leben in herausfordernden Zeiten mit Wirtschaftskrise, Ukrainekrieg und hohen Energiekosten. Aber wenn man sich die Top-Marken von Prada bis Louis Vuitton anschaut, dann sieht man, dass sie eine Umsatzsteigerung von bis zu 15 Prozent verzeichnen konnten.“ Das Argument, dass Skifahren in Österreich und Bayern auch ein Stück Kulturgut sei, quittieren die meisten Verantwortlichen nur mit einem Schulterzucken. „Entscheiden tun nicht wir, sondern der Kunde“, sagt Anton Bodner, Geschäftsführer der Kitzbühel-Bergbahnen. Und die Snowsociety treibt mit der Bereitschaft, sich einen Skitag inklusive Übernachtung und Verpflegung 1000 Euro kosten zu lassen, die Preise hoch.

Und dennoch finden sich in den Skigebieten noch leidenschaftliche Wintersportler, die Strategien für den Spaß im Schnee gefunden haben. Ihre Spartipps: „Wir kaufen die Sachen für die Kinder second-hand, gehen in eine kleine Ferienwohnung, kochen selbst und nehmen uns unsere Brotzeit mit auf die Piste“, erklärt eine Mutter im Film. „Ein paar Wärmeräume ohne Konsumzwang wie in Skandinavien wären super“, schlägt eine Studentin vor. Ein frommer Wunsch. Von Investitionen in Gemeinwohl, Gerechtigkeit und Nachwuchs scheint der Skitourismus aktuell meilenweit entfernt.
ASTRID KISTNER

Artikel 3 von 3