Am Tatort: die Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, li.) und Ivo Batic (Miroslav Nemec). Der Fall führt die Ermittler mitten rein in ein Nato-Manöver. © Oliver Oppitz/BR
Wo einen dieser Beruf so überall hintreibe, sinniert Udo Wachtveitl und gibt die Antwort gleich mit: „Wir waren schon im Inneren des Olympiaturms, in der Kanalisation, im Tierpark – und jetzt ermitteln wir auf dem Truppenübungsplatz.“ Genauso ist es: Ihr neuer Fall führt die Münchner „Tatort“ -Kommissare Franz Leitmayr (Wachtveitl), Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) auf ein US-Militärgelände, mitten rein in ein Nato-Manöver. „Charlie“, so der Titel des Films, läuft am Sonntag um 20.20 Uhr im Ersten (wegen der Hamburg-Wahl fünf Minuten später als sonst).
Darum geht‘s
Zwei Stand-up-Paddler finden eine Frauenleiche, die halb nackt und blutüberströmt in einem derangierten Militärfahrzeug an der Isar sitzt. Bald ist klar: Die Tote war in der nahe gelegenen Army Base als zivile Komparsin für ein Nato-Manöver engagiert. Kurze Zeit später finden die Ermittler, unterstützt von Military Police Officer Jennifer Miller (Yodit Tarikwa), eine weitere Leiche: den Kollegen und Liebhaber der Toten. Die Kommissare vermuten den Doppelmörder in den Reihen der Soldaten beziehungsweise Statisten des Manövers und entscheiden: Batic wird eingeschleust und ermittelt undercover.
Der Drehort
Noch nie durfte ein Filmteam (abgesehen von Dokumentationen und aktueller Berichterstattung) auf dem seit 1938 bestehenden Truppenübungsplatz in Hohenfels (nordwestlich von Regensburg) drehen. Die Marke „Tatort“ und das überzeugende Drehbuch von Dagmar Gabler hätten die Türen in diesen Hochsicherheitsbereich der US Army geöffnet, erzählen die Produzenten des Films, Oliver Schündler und Boris Ausserer, im Gespräch mit dem BR. „Das von den Amerikanern straff organisierte Genehmigungsverfahren für die Dreharbeiten reichte bis zum US-Verteidigungsministerium.“ Die ersehnte E-Mail, dass es keine Einwände gebe, kurz vor einem echten Nato-Manöver mit 6000 Soldaten zu drehen, gehe „sicher in die persönlichen Annalen unseres Berufslebens ein“, so die Filmemacher. Allerdings sei die Arbeit natürlich von der Tatsache überschattet worden, dass der Stoff durch den Angriffskrieg der Russen auf die Ukraine eine bedrückende Aktualität bekam.
Das sagen die Schauspieler
„Eine absolut außergewöhnliche, hochinteressante und intensive Dreh-Erfahrung“ sei die Arbeit an diesem „Tatort“ gewesen, sagt Miroslav Nemec. Die gegenwärtige politische Situation mache diese Erfahrung natürlich umso nahbarer und eindringlicher. Und Udo Wachtveitl erzählte am Rande der Dreharbeiten im Februar 2024: „Die Leute, meistens US-Amerikaner, sind sehr zugänglich und kooperativ, obwohl immer zu spüren ist, dass für den Ernstfall trainiert wird.“
Lohnt sich das Einschalten?
Ja. Allein weil das Setting so außergewöhnlich ist für einen Fernsehfilm. „Charlie“ erzählt darüber hinaus eine bis zum Schluss spannende Krimi-Geschichte (Regie: Lancelot von Naso), die durchaus auch schwierige gesellschaftliche, politische Themen anspricht und – gut dosiert – mit der einen oder anderen Frotzelei zwischen den Ermittlern garniert ist.
Wie geht es weiter?
„Charlie“ ist der 96. Fall von Batic und Leitmayr. Die Episoden 97 und 98 sind abgedreht und werden aller Voraussicht noch in diesem Jahr ausgestrahlt. Das große Finale – eine Doppelfolge – steigt dann im kommenden Jahr.
S. Thyssen
Der „Tatort: Charlie“
läuft am Sonntag um 20.20 Uhr
im Ersten.