Erschöpft: Alina und Florian nach einem Arbeitstag.
Ein Herz und eine Seele: Ursula Schmitt (li.) und Alina.
Was für eine herrliche Truppe: Die Paten André Dietz (li.) und Tim Mälzer (re.) unternehmen mit Marianne Morbach, Louis, Sarah und Ilse Lang einen Ausflug ins Grüne. © Guido Engels/RTL (4)
„Zum Schwarzwälder Hirsch“ – so hieß die preisgekrönte Doku, in der uns Tim Mälzer und André Dietz im Sommer 2023 mit einer wahrlich außergewöhnlichen Küchencrew bekannt machten: 13 Menschen mit Down-Syndrom, die einen Monat lang lernten, in einem Restaurant möglichst selbstständig im Service und am Herd zu arbeiten. Das war berührend und erhellend zugleich, denn die Filme zeigten nicht nur, wozu Menschen mit Behinderung fähig sind, sondern auch, wie sie – mit etwas Unterstützung – fit gemacht werden können für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Wer diese Doku gesehen hat, vergisst sie nicht.
In einer neuen Reihe, die heute bei Vox startet, widmen sich der Fernsehkoch und der Schauspieler nun erneut dem Thema Inklusion und bringen Menschen mit Behinderung und Bewohner eines Seniorenheims zusammen. „90 Tage, eine Mission: den Senioren wieder ein echtes Leben schenken“, ist Motto und Anspruch von „Herbstresidenz“, so der Titel der Doku. Gleichzeitig können die jungen Erwachsenen im Rahmen des Projekts eine Qualifizierung zum Alltagshelfer erwerben und so langfristig eine Beschäftigung außerhalb von Behindertenwerkstätten finden. André Dietz hofft: „Dieses Experiment wird für Deutschlands Pflegeheime alles verändern.“
In der Auftaktfolge zieht Tim Mälzer für eine Nacht in das (unlängst renovierte) Seniorenheim an der Mosel, das Schauplatz der Doku ist. Erster Eindruck und ernüchterndes Fazit: Den Bewohnern fehlt es an sinnvollen Aufgaben genauso wie an Lebensfreude. „Ich werde hier nicht mehr gebraucht, das ist das schlimmste Gefühl“, sagt Mälzer. Die Alten schleppen sich von Mahlzeit zu Mahlzeit und warten mehr oder weniger darauf, dass der Tag rum ist. Das ändert sich schlagartig, als die jungen Azubis, die ihre Impulse nicht so unter Kontrolle haben wie andere, ins Heim kommen. Ungefilterte Emotionalität trifft hier auf eine Generation, die nie oder selten mit Menschen mit Behinderung zu tun hatte. „Die sind unberechenbar, gewalttätig“, sagt eine Seniorin denn auch, ohne es böse zu meinen. Sie weiß es einfach nicht besser, das für sie Fremde macht ihr Angst.
Im Lauf der Geschichte gibt es Annäherung. Ein Prozess, der – hochwertig und dramturgisch stark inszeniert – niemanden kaltlässt. In einem Moment denkt man sich, wie leicht alles sein, wie schnell man den Pflegenotstand lösen könnte, um dann festzustellen, so einfach ist es nicht. „Ich versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten, gesellschaftliche Themen anzusprechen“, sagt Tim Mälzer, der in seiner so unkomplizierten wie empathischen Art ein Glücksfall auch für diese Doku ist.
Wie das Ganze ausgeht, wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Alle Beteiligten gehen durch Höhen und Tiefen, es fließen Tränen der Freude und der Verzweiflung. Für Mälzer wäre das Experiment „in dem Moment gelungen, in dem wir es geschafft haben, das Leben der Einzelnen erträglicher zu machen und wir es geschafft haben, ihnen ein Zuhause zu geben“, so der 54-Jährige. „Wenn wir es geschafft haben, den Pflegerinnen und Pflegern den Arbeitsalltag ein wenig zu erleichtern. Und wenn wir es geschafft haben, Menschen wieder eine Aufgabe im Leben zu geben, die sie hoch motiviert ausüben und damit wiederum das Leben anderer schöner machen.“ Klingt nach Win-win-win-Situation. Besser geht es nicht.
STEFANIE THYSSEN