„Man lernt eine Kommissarin mit sehr viel Privatleben kennen“: Naomi Krauss ermittelt als Eleni Theodoraki auf der Insel Kreta. © George Dryjohn/Degeto
Eine idyllische Bucht ist Schauplatz eines brutalen Mordes – vor den Augen von entsetzten Urlaubern wird Yanis Philippis (Arian Tsapari Rassi) beim Schwimmen im Meer von einem Jetski gezielt überfahren. Mit gebrochenem Schädel ertrinkt der Mann. Philippis hatte viele Feinde. Er war vom griechischen Festland hierher nach Kreta geschickt worden, um die Konsequenzen aus einem Großfeuer mit drei Toten zu ziehen und illegal errichtete Häuser abreißen zu lassen. „Als Yanis versuchte, die Bauvorschriften umzusetzen, gab es einen Aufschrei“, sagt die Witwe. Aber ist der Fall wirklich so klar im ersten „Kreta-Krimi“ der ARD? Beim Pilotfilm „Tod in der Bucht“, zu sehen heute im Ersten, führen Spuren in viele Richtungen.
Es ist der erste Einsatz für Polizeimajorin Eleni Theodoraki, gespielt von Naomi Krauss. Jahrzehnte ist es her, das Eleni ihre Heimatinsel verlassen hat. Schnell ist klar, dass sie Familiengeheimnisse hütet. Apropos Familie – ihr Großneffe Alexis (Danilo Kamperidis), immer hier geblieben und ebenfalls bei der Polizei, ist wenig angetan. „Ich habe 1000 Fortbildungen gemacht, extra Schichten geschoben. Nur damit jetzt alle sagen, dass ich die Versetzung nur kriege, weil meine Großtante die neue Chefin ist“, mault der junge Mann.
Als neue Chefin des Morddezernats Rethymnon macht Eleni dann auch ganz schnörkellose Ansagen: „Ich erwarte Ideen, Initiative, Einsatz. Alles Weitere findet sich.“ Doch wird es für sie immer schwerer, ihre privaten Angelegenheiten vom Dienstlichen zu trennen. Denn sogar zu ihrer Nichte Niki (Sotiria Loucopoulos) führt eine Spur. Ihr Bräutigam Jorgos (Hannes Wegener) gerät unter Mordverdacht. Damit ist nicht nur die Hochzeit der beiden in Gefahr.
Die schweizerisch-israelische Schauspielerin Naomi Krauss spielt die Rolle der Rückkehrerin, die viel Staub aufwirbelt, präzise, unaufgeregt und natürlich. Die 57-Jährige hebt sich damit angenehm von vielen Ermittlerfiguren im Fernsehen ab. Das Publikum kennt Krauss zum Beispiel aus der Netflix-Komödie „Faraway“ und von vielen Gastrollen in ARD-Sonntagskrimis. Sie hat vor ihrer Karriere in Kino und Fernsehen viele Jahre am Theater gespielt.
Sie habe an der Rolle gereizt, „dass man eine Kommissarin mit sehr viel Privatleben kennenlernt“, sagte die Schauspielerin im Interview. „Diese Balance zwischen dem Fall, den sie lösen muss, und der Konfrontation mit ihrer Vergangenheit, das fand ich wahnsinnig spannend.“ Kreta habe ihr gut gefallen. „Denn da ist nichts Liebliches. Die Landschaft ist archaisch, das Meer so anders, das Licht ist so toll – das ist eine großartige Mischung.“
Um authentischer zu wirken, ließ die Regisseurin Constanze Knoche die Griechinnen und Griechen in ihrer Originalsprache sprechen. In den Szenen wurden also zwei Sprachen gesprochen. Später wurde das Griechisch ins Deutsche nachsynchronisiert, so Kraus. „Für mich bedeutete dies, dass ich genau wissen musste, was meine griechischen Kollegen in der Szene sagen. Ich musste sehr aufpassen, um meinen Einsatz nicht zu verpassen. Wenn ich mir gemerkt hatte, dass sieben Sätze gesagt werden und die Schauspielerin dann nach dem dritten Satz eine große Pause gemacht hat, dachte ich: Oh, sie ist schon fertig mit ihrem Text. Das ist durchaus auch passiert“, erinnert sie sich und lacht: „Aber am Ende hat es sehr gut geklappt. Eine tolle Erfahrung.“
CHRISTOF BOCK
Sendehinweis
Das Erste zeigt den „Kreta-Krimi“ heute um 20.15 Uhr und jederzeit in der Mediathek.